K.o.-Schlag in letzter Minute

Ludwigsburger Kreiszeitung
Bietigheim verschenkt sicher geglaubten Sieg im Norden

Trotz einer starken Vorstellung unterlag Handball-Zweitbundesligist SG BBM Bietigheim beim Tabellensiebten Wilhelmshavener HV mit 31:32 (20:14). Es fehlte nicht viel, um ein Unentschieden zu erkämpfen und damit weiter ungeschlagen zu bleiben.

Ganze fünf Sekunden fehlten der SG BBM Bietigheim, um auch das siebte Spiel in Folge in der zweiten Handball-Bundesliga ohne Niederlage zu überstehen. Obwohl den Ellentälern noch die Partie vom Freitag gegen Coburg sowie die neunstündige Busfahrt zum Wilhelmshavener HV in den Knochen steckte, präsentierten sich die Gäste hellwach.
Während tagsüber ein Hagelschauer an der Nordsee tobte, sorgten am Abend die Gäste aus dem Schwabenland für reichlich Wirbel in der Nordfrost-Arena. Die 3:2-Führung für den WHV sollte die letzte bis zur 58. Minute sein. Danach übernahm Bietigheim das Kommando. Ausgehend von einer starken Abwehr in Kombination mit ihrem gefürchteten Tempospiel lagen die Gäste nach den Zwischenständen 11:6 (14.Minute), 16:9 (22.) beim Seitenwechsel mit 19:14 vorne. Der von seinem 15 Mann starken Fanclub angefeuerte Tim Dahlhaus sowie Torjäger Christian Schäfer hatten mit je fünf Treffern den größten Anteil an der deutlichen Führung.
SG behauptet Führung zunächst trotz erster Risse in der Abwehr
Im zweiten Abschnitt bekam die SG-Abwehrmauer erste Risse. Auch Keeper Stanislaw Gorobtschuk konnte nicht an seine starke Leistung gegen Coburg anknüpfen. Wilhelmshaven kam schnell auf 18:20 heran, rannte aber nach 44 Minuten erneut einem Fünf-Tore-Rückstand hinterher (20:25).
Vier Minuten vor Spielende führte die SG noch mit zwei Treffern (29:27). Die Nordlichter hatten in der zweiten Spielhälfte erstmals zwei Minuten vor Feierabend die Nase vorne, doch Dahlhaus und Schäfer gelang postwendend der Ausgleich. Bietigheim glitt der sicher geglaubte Punktgewinn aus den Händen, als die Nummer drei der Torjägerliste, Tobias Schwolow, fünf Sekunden vor der Schlusssirene mit seinem zehnten Treffer zum 32:31 traf. „Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. In der zweiten Hälfte hatten wir in Abwehr und Angriff Probleme. Uns war klar, dass wir die Ausfälle von Torhüter Aaron Edvardsson und Paco Barthe nicht so einfach wegstecken können,“ so das Fazit von SG-Trainer Hartmut Mayerhoffer.
SG BBM: Gorobtschuk, Mathes; Schäfer (9/2), Dahlhaus (8), Rentschler (5), Lohrbach (4), Salzer (2), Babarskas (1), Emanuel (1), Haller (1), Döll, Emrich, Scholz.


Bietigheimer Zeitung
K.o.-Schlag in letzter Minute

Gemischte Bilanz für die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim: Dem 28:26-Heimsieg am Freitag gegen den Tabellendritten HSC 2000 Coburg folgte am Sonntagabend eine knappe 31:32-Niederlage beim Wilhelmshavener HV.

"Damit haben wir den Klassenerhalt auch rechnerisch geschafft", stellte Christian Köhrmann, der Trainer des Wilhelmshavener HV nach dem 32:31-Zittersieg seines Teams gegen die SG BBM Bietigheim fest - und erntete damit bei der Pressekonferenz einen mühsam unterdrückten Lacherfolg im VIP-Raum. Denn eigentlich hatte kein WHV-Fan vor dem 34. Zweitliga-Spieltag noch Zweifel am Erreichen des Saisonziels gehabt.

Zweifler am zweiten Wochenend-Erfolg der Jadestädter dürfte es dagegen bis zur Halbzeit eine ganze Menge gegeben haben. Denn da wurden die Gastgeber vom Erstliga-Absteiger aus Bietigheim nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen. Insbesondere gegen die rechte SG-Angriffsseite entwickelte die WHV-Abwehr überhaupt keine Meinung. Doch auch vorne lief lange wenig zusammen. Insbesondere Rene Drechsler leistete sich etliche Fehlpässe - die Gäste nutzten das zu fünf Tempogegenstößen.

Beim 4:7 (10.) reagierte WHV-Trainer Köhrmann mit einer Auszeit und brachte Matej Kozul in der Rückraummitte für Janik Köhler, der zunächst den verletzten Spielmacher Oliver Köhrmann (Verdacht auf Zehenbruch) ersetzt hatte. Das stabilisierte das WHV-Spiel vorne, am Ergebnis änderte sich aber nichts. Noch einmal traf Tim Dahlhaus (9:15/20.). Nach einem weiteren Drechsler-Fauxpas und einem Tempogegenstoß von Christian Schäfer (9:16/22.) zogen am Wilhelmshavener Handball-Himmel endgültig dunkle Wolken auf. Und als sich Evgeny Vorontsov beim Stand von 12:17 (25.) beim erweiterten Tempogegenstoß einen weiteren haarsträubenden Fehlpass leistete, ging ein Aufstöhnen durch die Nordfrost-Arena. Einziger Lichtblick: Diesen Fünf-Tore-Rückstand rettete ein indisponierter WHV in die Halbzeit (14:19).

Die Gastgeber kamen mit einer anderen Einstellung zur Abwehrarbeit aus der Kabine. Neben dem mit zehn Treffern besten Torschützen Tobias Schwolow und dem in der 42. Minute eingewechselten Torhüter Adam Weiner, der sich spektakulär ein paar Freie der Bietigheimer schnappte, gehörte zu den Wilhelmshavener "Zündern" auch Linksaußen Lukas Mertens. Seine Treffer elektrisierten gestern auf jeden Fall die Halle. Das 17:20 (33.) des Junioren-Nationalspielers war bereits ein Kracher, als Mertens im Überschalltempo durch die SG-Abwehr rauschte. Beim 30:29 (58.), der ersten WHV-Führung überhaupt im Spiel, hielt es aber keinen mehr auf den Sitzen. Einen Abpraller schnappte sich Mertens, wurde durch die SG-Abwehr noch ein wenig in die Waagerechte geschoben und schaffte es aber trotzdem irgendwie, den Ball in einer langen, fließenden, fast zirkusreifen, Bewegung im Bietigheimer Kasten unterzubringen.

Gästetrainer Hartmut Mayerhoffer beantwortete das mit einer Auszeit. Zwei SG-Treffer durch Dahlhaus und Schäfer sowie ein Vorontsov-Tor später zückte auch WHV-Kollege Köhrmann die grüne Karte. 26 Sekunden standen da noch auf der Uhr. Und obwohl alle Bietigheimer und 1071 Zuschauer wussten, worauf es bei der finalen Aktion hinauslaufen würde, fiel doch noch ein Tor. Tobias Schwolow wuchtete das Leder - hart, aber nicht hart genug bedrängt - aus der Rückraummitte durch die Füße von SG-Torhüter Linus Mathes zum 32:31 ins Tor.

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