Rückschlag, aber kein Beinbruch für den HSC

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inFranken.de
Rückschlag, aber kein Beinbruch für den HSC
Der HSC 2000 Coburg verlor am Freitagabend das Auswärtsspiel bei der SG BBM Bietigheim mit 26:28 (12:14).

Die Erfolgsserie des HSC 2000 Coburg ist gerissen. Nach acht Spielen ohne Niederlage in der 2. Handball-Bundesliga hat es das Team von Trainer Jan Gorr wieder einmal erwischt. Mit 26:28 (12:14) unterlagen die Coburger gestern Abend in Ludwigsburg bei der starken SG BBM Bietigheim.


Die hochmotivierten Gastgeber siegten zu Recht, weil sie in den entscheidenden Momenten immer eine passende Antwort parat hatten. Doch trotz dieser Niederlage halten die Coburger im Aufstiegskampf noch alle Trümpfe in der Hand und können bereits am morgigen Sonntag zwei weitere Punkte im Fernduell mit Friesenheim sammeln, wenn ab 17 Uhr die abstiegsbedrohten Ferndorfer in der HUK-Arena als krasse Außenseiter aufkreuzen.

SG BBM Bietigheim gegen
HSC Coburg 28:26 (14:12)
Die torreiche Anfangsphase gehörte den Gastgebern. Nach acht Minuten stand es 4:2, weil der HSC im Angriff zu viele Fehler machte. Das Tempo der Bietigheimer war enorm, die Härte allerdings auch. Bereits nach 15 Minuten hatten sie drei Zeitstrafen auf dem Konto. Das nutzen die "Gelb-Schwarzen" für eine kleine Aufholjagd aus.
Ausgerechnet die beiden Ex-Bietigheimer - Torsteher Kuhlanek und Rückraum-Kanonier Kirveliavicius - waren nicht nur in dieser frühen Phase der intensiven Begegnung die beiden auffälligsten Coburger. Kuhlanek parierte mehrmals und Kirveliavicius traf in regelmäßigen Abständen (7:7/16). Mittelmann Harmandic, der mit ein paar unglücklichen Aktionen begann, fand dagegen während der gesamten Partie nicht wie gewohnt ins Spiel. Einfache Fehler führten dazu, dass die Coburger den Anschluss gegen den letztjährigen Erstligisten verloren.
Die 1225 Zuschauer in der gut 4000 Fans fassenden MHP-Arena sahen eine starke Heimmannschaft, die sich vor der Pause absetzte. In der 23. Minute stand es 11:8 für die Schwaben und Coburgs Trainer Jan Gorr nahm eine Auszeit.

Trainer Gorr in der Auszeit wütend
Sichtlich wütend mahnte er dabei seine Mannen zu mehr Konzentration. Die 6:0-Abwehr stand nämlich nicht so stabil wie sonst und bei den Kontern waren die Bietigheimer brandgefährlich und meistens ein oder zwei Schritte schneller als "Gorrs Gelbe".
Die Ansprache des "Chefs" schien zu fruchten, denn nur drei Minuten später war Coburg wieder dran (12:11). Bis zur Pause reichte es aber trotzdem nicht zum erhofften Ausgleich. Im Gegenteil: In Überzahl kassierte der HSC einen Treffer zum 14:11 - Christian Schäfer verwandelte seinen dritten Siebenmeter eiskalt. Nur gut, dass Kreisläufer Dominik Kelm mit einem tollen Rückhandwurf 15 Sekunden vor der Sirene zumindest noch auf 12:14 verkürzte.
Der Auftakt in Durchgang zwei war für die Coburger perfekt. Nach dem schnellen Anschlusstreffer von Hagelin war es "Schlitzohr" Steffen Coßbau, der spektakulär das 14:14 warf (33.). Der Linksaußen sah, dass der Bietigheimer Torwart noch einen Schluck Wasser an der Außenlinie zu sich nahm und warf aus der eigenen Hälfte den Ball zum Ausgleich ins leere Tor.
Schnell und abwechslungsreich ging es weiter: Über die Stationen 16:16 (36.) und, 19:19 (42.) ging es in die dramatische Schlussphase. Auffallend mutig agierte dabei Matthias Gerlich, der mehrmals traf und zwischenzeitlich sogar für einen Zwei-Tore-Vorsprung der Coburger sorgte. Doch der hatte nur kurz Bestand.
Auch weil in dieser Phase Florian Billek Ladehemmungen hatte. Der sonst zu zuverlässige Rechtsaußen erwischte einen schwachen Tag, warf mehrere Fahrkarten, so dass die Gastgeber langsam aber sicher die entscheidenden Tore machten und wieder Oberhand gewannen (21:19/45.).
Jan Gorr war jetzt auch noch mit einigen Schiedsrichter-Entscheidungen überhaupt nicht einverstanden und sah die gelbe Karte von den konsequent leitenden Unparteiischen. Seine Mannen verloren ihre Linie und Gorr unterbrach die Partie mit einer dringend notwendigen Auszeit (22:19./47.). Hoffnung kam auf, als Adnan Harmandic endlich das erste Mal traf. Der Bosnier verkürzte auf zwei Tore und trieb seine Nebenleute zehn Minuten vor Schluss noch einmal zu Höchstleistungen an. Doch die Gastgeber zeigten auch in dieser Phase ihr Können und hielten voll dagegen.
Coburg versuchte alles - Gorr wechselte fleißig durch - doch die Bietigheimer blieben vorn, obwohl "Kiwi" mit seinem sechsten Tor auf 23:25 verkürzte und sich Kuhlanek (knapp 38 Prozent gehaltene Bälle) weiter steigerte.

In der 54. Minute hielt der Coburger Torsteher endlich auch den ersten Siebenmeter gegen Schäfer, doch auch diese kritische Phase überstand die Heimmannschaft. Als Robin Haller vier Minuten vor Schluss auf drei Tore Vorsprung für die Gastgeber erhöhte (26:23), nahm Gorr noch eine Auszeit und forderte seine Jungs auf, noch einmal alles zu versuchen.
Den Endspurt eröffnete Lilienfelds mit dem 24. Coburger Treffer. Und der "Halbrechte" legte zwei Minuten vor Schluss nach. Es stand plötzlich nur noch 26:25 und die Hoffnung im "gelb-schwarzen" Lager stieg.
Doch auf der anderen Seite gab es erneut Siebenmeter und Schäfer machte mit dem 27:25 den Deckel drauf. Billek gelang 15 Sekunden vor Schluss zwar wieder der Anschlusstreffer, ehe Haller aber mit dem letzten Wurf den verdienten 28:26-Endstand herstellte.

SG BBM Bietigheim gegen
HSC Coburg 28:26 (14:12)
SG BBM Bietigheim: Gorobtschuk, Edvardson - Haller (5), Rentschler (3), Salzer (2), Dahlhaus (3), Schäfer (6/6), Gerdas, Barthe, Scholz, Döll (2), Emrich, Emanuel (1), Lohrbach (3), Babarskas (3).
Trainer: Hartmut Mayerhoffer.
Beste Spieler: Stanislaw Gorobtschuk, Robin Haller, Christian Schäfer.

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Oliver Krechel - Markus Hagelin (2), Lukas Wucherpfennig, Dominic Kelm (2), Matthias Gerlich (3), Sebastian Kirchner, Jiri Vitek (1), Steffen Coßbau (3), Florian Billek (2), Till Riehn (3), Adnan Harmandic (1), Girts Lilienfelds (3), Romas Kirveliavicius (6).
Trainer: Jan Gorr.
Beste Spieler: Jan Kuhlanek, Romas Kirveliavicius.
SR: Sascha Wild (Elgersweier) / Fabian Baumgart (Altenheim).
Zuschauer: 1225. ct

Bietigheimer Zeitung
SG BBM ärgert Aufstiegsanwärter

Der Handball-Zweitligist SG BBM Bietigheim hat am Freitag den Aufstiegskandidaten HSC Coburg mächtig geärgert. Obwohl ihr Star-Torhüter Aron Edvardsson verletzt ausfiel, setzten sich die Schwaben in der MHP-Arena mit 28:26 durch.


Jan Kulhanek und Romas Kirveliavicius haben sich die Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte sicher anders vorgestellt: Die beiden Leistungsträger verloren am Freitagabend mit dem HSC Coburg bei ihrem Ex-Klub SG BBM Bietigheim mit 26:28 und kassierten damit einen Dämpfer im Aufstiegskampf der Zweiten Handball-Bundesliga. In der vergangen Saison hatten beide noch im Bietigheimer Erstliga-Kader gestanden. "Wir haben zwei Tore weniger gemacht als der Gegner. Das war der Unterschied", bilanzierte Kulhanek, der mit seinen Paraden zu Coburgs bestem Akteur avancierte. "Wir müssen die nächsten Spiele gewinnen, dann ist dieses Ergebnis vergessen."

Die Bietigheimer mussten ohne Rückraumakteur Paco Barthe (Bauchmuskelzerrung) sowie Aron Edvardsson auskommen. Der isländische Nationalkeeper hatte sich im Training einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen. Für Edvardsson rückte Torwart-Talent Linus Mathes (19) aus der zweiten Mannschaft ins Aufgebot.

Trotz der beiden Ausfälle zeigte die SG BBM eine exzellente Abwehrleistung. Gorobtschuk vertrat Edvardsson bestens und stand Coburgs Schlussmann Kulhanek in nichts nach. Das Team von Trainer Hartmut Mayerhoffer machte den Franken das Handballer-Leben von Beginn an schwer. Fünfmal lagen die Bietigheimer schon im ersten Durchgang mit drei Toren vorne. Nur einmal - beim 0:1 von Steffen Coßbau nach 58 Sekunden - führte der HSC 2000.

Verlassen konnten sich die Gäste wieder einmal auf ihren Rückraum-Shooter Kirveliavicius - der österreichische Nationalspieler schlug in den ersten 30 Minuten gleich viermal aus dem Rückraum zu. Die Bietigheimer hatten alle Mühe, ihren ehemaligen Teamkollegen zu bändigen. Dennoch war die 14:12-Pausenführung der SG durchaus verdient.

Zu Beginn der zweiten Hälfte zog Coburg die Zügel an. HSC-Trainer Jan Gorr ließ Kirveliavicius trotz dessen vier Treffer zunächst auf der Bank und beorderte Matthias Gerlich in den linken Rückraum. Der Tabellendritte nutzte die Schlafmützigkeiten der SG BBM in der Anfangsphase eiskalt aus. Nach einem üblen Fehlpass des sonst stark spielenden Robin Haller traf Coßbau in den leeren Bietigheimer Kasten zum 14:14 - Gorobtschuk war bei eigenem Ballbesitz an den Spielfeldrand geeilt, um einen Schluck aus seiner Wasserflasche zu trinken (33.). Till Riehn und Gerlich warfen die Gäste anschließend sogar mit 19:17 in Front (41.). Das schwäbisch-fränkische Duell schien zugunsten des HSC zu kippen.

Die Spielgemeinschaft wankte, aber sie fiel nicht. Die Bietigheimer Ballwerfer zeigten Moral. Sie antworteten mit sechs Treffern am Stück und gingen bis zur 49. Minute selbst mit 23:19 in Führung - ein Vorsprung, von dem die Hausherren bis zum Schluss zehren konnten. Die Coburger steckten aber nie auf. Dramatisch wurde es in den letzten 120 Sekunden. Girts Lilienfelds verkürzte in der vorletzten Minute auf 25:26, dann gewann Kulhanek das Eins-gegen-eins-Duell gegen den am Kreis durchgebrochenen André Lohrbach - und die SG BBM hatte Glück, dass die Schiedsrichter nach einem Foul an Julius Emrich einen Siebenmeter gaben, den Christian Schäfer sicher zum 27:25 verwandelte. 14 Sekunden vor Spielende schaffte Florian Billek noch das 26:27, ehe Haller mit dem 28:26 die letzten Zweifel am Bietigheimer Heimsieg beseitigte.

Am Sonntag sind beide Mannschaften erneut gefordert: Die SG BBM tritt um 17 Uhr beim Tabellensiebten Wilhelmshavener HV an, Coburg erwartet zeitgleich den Abstiegskandidaten TuS Ferndorf.


Stimmen zum Spiel

Hartmut Mayerhoffer, Trainer der SG BBM Bietigheim: Wir haben eine hervorragende kämpferische Leistung abgeliefert - gegen einen Gegner, der für mich das beste Team der Rückrunde ist. Zu Beginn der zweiten Hälfte haben wir geschlafen. Aber meine Mannschaft zeichnet aus, dass sie wieder zurückgekommen ist - dank guter Abwehrarbeit und einfacher Tore. Die Spieler sind extrem bissig und willig.

Jan Gorr, Coach des HSC 2000 Coburg: Eine Niederlage gegen eine so heimstarke Mannschaft wie Bietigheim darf uns nicht aus der Bahn werfen. Wir haben ein gutes Polster, sind aber noch kein Erstligist. Wir müssen weiter guten Handball spielen, um unser Ziel, den dritten Platz, zu erreichen. Zum Aufstieg ist es noch ein langer Weg.


Ludwigsburger Kreiszeitung
Triumph reißt Fans von den Sitzen

Handball-Zweitbundesligist SG BBM Bietigheim sorgte in der MHP-Arena für eine faustdicke Überraschung. Gegen den Aufstiegskandidaten HSC 2000 Coburg der mit einer Serie von acht ungeschlagenen Spielen angereist war, triumphierte die SG mit 28:26 (14:12).

Dieser fantastische Erfolg ist umso höher zu bewerten, weil die SG mit Torhüter Aron Edvardsson und Paco Barthe gleich auf zwei Leistungsträger verletzungsbedingt verzichten musste. Nach der „Jetzt erst recht“-Motto lieferten die Bietigheimer vor den 1225 Zuschauern einen tollen Fight der die Fans in der Endphase von den Sitzen riss. Da half es den nicht wie ein Spitzenteam auftretenden Gästen wenig, dass sie sich vor Spielbeginn mit martialischem Kampfgeschrei aufmunterten.

Mit einem Blitzstart überraschte Bietigheim den Favoriten aus Oberfranken. Der immer stärker auftrumpfende Tim Dahlhaus, Andre Lohrbach, Christian Schäfer vom Siebenmeterpunkt sowie Gerdas Barbaskas brachten die SG mit 4:1 in Front. (6. Minute) Obwohl Dahlhaus nach zehn Minuten bereits seine zweite Zeitstrafe kassierte, gelangen dem HSC bis zu diesem Zeitpunkt nur zwei Treffer.

Ausgerechnet Ex-SG-ler Romas Kirveliavicius sorgte mit seinem vierten Tor in der 16. Minute für den 7:7-Ausgleich. Davon unbeeindruckt ging Bietigheim mit einem 14:12-Vorsprung in die Halbzeitpause. HSC-Keeper Jan Kulhanek, ebenfalls mit Bietigheimer Vergangenheit, zog mit drei Glanzparaden zu Beginn der zweiten Hälfte den SG-Angreifern kurzzeitig den Zahn. Die jetzt aufdrehenden Gäste verwandelten den Rückstand nach 41 Minuten in eine 19:17-Führung. Acht Minuten später hatten die Gastgeber nach einem furiosen Zwischensport das Spiel gedreht (23:19).

Die Halle stand drei Minuten vor Spielende vollends Kopf, als Robin Haller in Unterzahl zum 26:23 einnetzte. Beim 26:25 (59.) begann nochmals das große Zittern, doch Schäfer per Siebenmeter und Robin Haller machten den Deckel zum 28:26-Triumph drauf. SG-Trainer Hartmut Mayerhoffer war nach dem Überraschungscoup happy: „Gegen die beste Rückrundenmannschaft hat meine Mannschaft eine überragende kämpferische Leistung gezeigt“. Schöner Nebeneffekt: Mit diesem Erfolg haben sich die Bietigheimer den Ligaerhalt endgültig gesichert.

SG BBM: Gorobtschuk; Schäfer (6/6), Haller (5), Rentschler (3), Dahlhaus (3), Lohrbach (3), Babarskas (3), Döll (2), Salzer (2), Emanuel (1), Emrich.

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