SG spielt auf Augenhöhe, wird aber nicht belohnt

mwo 9069 20151116 1477223331
Bietigheimer Zeitung

Ex-Bietigheimer trumpfen groß auf SG BBM verliert in Coburg knapp mit 30:32

Die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim haben am Sonntag bei ihrem Gastspiel in Coburg eine beherzte Vorstellung geboten. Dennoch verloren sie mit 30:32. Die Ex-Bietigheimer Jan Kulhánek und Romas Kirveliavicius glänzten.

Der HSC 2000 Coburg hat am Sonntag seinen Fluch besiegt und vor 2398 Besuchern in der HUK-Coburg Arena gezeigt, dass er auch gegen Erstliga-Absteiger gewinnen kann. Nach den Niederlagen gegen die Absteiger Erlangen, Minden und Ludwigshafen-Friesenheim bezwang das Team von Jan Gorr nun die SG BBM Bietigheim nach einem dramatischem Kampf verdient mit 32:30 (15:14) und untermauerte auf Rang drei der Zweiten Handball-Bundesliga seine Aufstiegsambitionen.

Außerdem gab der HSC einen kurzfristigen Überraschungscoup auf dem Transfermarkt bekannt: Micke Brasseleur wurde bis 30. Juni 2016 unter Vertrag genommen. Der 22-jährige Franzose spielte zuletzt in der Ersten Liga seines Landes bei Tremblay-en-France. Der Nationalspieler, der im Vorjahr bei der Europameisterschaft im A-Kader der Franzosen gestanden war, gilt als abwehrstarker Torjäger und soll mithelfen, die verletzungsbedingt entstandenen Probleme im rechten Rückraum zu beheben.

Am Sonntag war bei Coburg von jenen Problemen allerdings nichts zu sehen. Routinier Jirí Vítek kommt nach seiner Schulterblessur langsam in Form. Die Ausfälle von Girts Lilienfelds (Daumenbruch) und Markus Hagelin (Meniskusverletzung) lösten die Franken auch gegen Bietigheim wieder gut.

Entscheidenden Anteil am Heimerfolg über die SG BBM hatten Matthias Gerlich als traumwandlerisch sicherer Siebenmeter-Schütze und ein Duo, das vor der Saison aus Bietigheim-Bissingen nach Coburg gekommen war: Torwart Jan Kulhánek sorgte mit Paraden in der Schlussphase, dass es nicht noch einmal eng wurde, und der österreichische Nationalspieler Romas "Kiwi" Kirveliavicius brachte es mit unhaltbaren Rückraum-Krachern auf zehn Treffer. Beste Werfer bei den nie aufsteckenden Gästen, die weiter auf den Abstiegsrängen festsitzen, waren Rückraum-Rechts Tim Dahlhaus und Rechtsaußen Christian Schäfer mit jeweils sieben Toren.

"Der Gegner hat zu schnell immer wieder ausgleichen können. Den Unterschied haben heute zwei oder drei Nuancen ausgemacht - beispielsweise Big Points von Kirveliavicius durch seine physische Überlegenheit oder zwei bis drei wichtige Paraden von Kulhánek gegen Ende der Partie", sagte der Coburger Trainer Jan Gorr.

Zu Beginn des spannenden Matches, dem eine Schweigeminute für die Opfer der Attentate in Paris voranging, lagen die über Robin Haller, Paco Barthe und André Lohrbach gut kombinierenden Gäste in Führung. Erst nachdem Oliver Krechel einen Wurf von Dahlhaus pariert und Kelm nach einem Rückwärts-Anspiel von Adnan Harmandic zum 6:5 getroffen hatte, lag der HSC vorn und ließ die SG BBM nicht mehr vorbeiziehen. Das Team von Coach Hartmut Mayerhoffer konnte beim 21:21 letztmalig ausgleichen, und erst als Gerlich in der 54. Minute per Siebenmeter zum 29:26 getroffen hatte, durften die Fans die Siegesgesänge anstimmen.

Einen Glanztag beim Gastgeber hatte Kirveliavicius erwischt. In der 18. Minute erstmals auf der Platte, erzielte er fünf Coburger Tore in Folge. Und Keeper Kulhánek verhinderte mit einer Parade gegen Haller den möglichen Ausgleich vor der Halbzeit. Kulhánek war auch gegen Ende der Partie der Garant, dass der HSC nicht mehr in Gefahr geriet.

"Es war ein sehr interessantes und spannendes Spiel, in dem wir im Angriff sehr gut agiert haben und geduldig und torgefährlich unsere Angriffe vorgetragen haben", bilanzierte Gästetrainer Mayerhoffer. "In der Abwehr hatten wir dagegen große Probleme, so dass wir nicht wie gewünscht ins Tempospiel kommen konnten. Es hat sich die große individuelle Klasse von Coburg gezeigt. 32 Gegentore sind ganz klar zu viel." Sein Gegenüber Gorr sprach den Schwaben Mut zu: "Für die SG ist nach einem schlechten Start der Turnaround natürlich schwierig. Aber die Bietigheimer sind besser als ihr derzeitiger Tabellenplatz, und sie werden am Ende einige Plätze gutgemacht haben.


Ludwigsburger Kreiszeitung
SG spielt auf Augenhöhe, wird aber nicht belohnt

Erst nach großem Kampf musste sich Handball-Zweitbundesligist SG BBM Bietigheim dem Tabellendritten HSC 2000 Coburg mit 30:32 (14:15) beugen.

Ausgerechnet die beiden Ex-Bietigheimer Romas Kirveliavicus (10 Tore) und Torhüter Jan Kulhanek vermasselten den Bietigheimern einen möglichen Punktgewinn. Der 34-jährige Kulhanek, der nicht ganz freiwillig die SG am Saisonende verlassen musste, entschärfte in der Schlussphase wichtige Würfe von Robin Haller und Christian Schäfer.
Dagegen brachten die SG-Keeper Stanislaw Gorobtschuk und Mihailo Radovanovic gegen die hammerharten Rückraumkracher des Zwei-Meter großen und 115 Kilogramm schweren österreichischen Nationalspielers Kirveliavicius kaum eine Hand an den Ball.
Aber auch Bietigheim hatte in Tim Dahlhaus (7 Treffer) und Haller, der sechsmal einnetzte, einiges an Wurfkraft aus dem Rückraum zu bieten. Insbesondere Linkshänder Dahlhaus sorgte mit seinen fünf Toren im ersten Abschnitt immer wieder dafür, dass sich die favorisierten Gastgeber nicht absetzen konnten. Paco Barthe traf in der 27. Minute zum 14:14. Durch einen verwandelten Siebenmeter rettete Coburg einen 15:14-Vorsprung in die Pause.
Ähnlich spannend verlief der zweite Abschnitt. Ein Unterschied zwischen den auf einem Aufstiegsplatz platzierten Oberfranken und dem Tabellenvorletzten aus dem Schwabenland war zu keinem Zeitpunkt der Partie zu erkennen. Als nach 39 Minuten „Kiwi“ Kirveliavicius mit seinem neunten Treffer zum 21:19 traf, glichen Schäfer per Siebenmeter und Linksaußen Andre Lohrbach für die SG postwendend zum 21:21 aus.
Eine Zeitstrafe gegen Patrick Rentschler brachten dem HSC in seinem Schmuckkästchen HUK-Arena eine erneute Zwei-Tore-Führung, doch auch nach 52 Minuten durften die Ellentäler noch auf einen Punktgewinn hoffen (27:26). Wie bereits geschildert durchkreuzten die beiden Ex-SG-ler – „Kiwi“ mit Treffer Nummer zehn und Kulhanek mit Glanzparaden – den Bietigheimer Teilerfolg.
Am Mittwoch gegen Wilhelmshaven
„Wir haben bei einem Aufstiegskandidaten bis zum Schluss auf Augenhöhe mitgespielt. Unsere Angriffsleistung hat mir imponiert. In der Defensive müssen wir noch konsequenter agieren,“ lautete das Fazit von SG-Trainer Hartmut Mayerhoffer. Bereits am Mittwoch hat sein Team die Chance, mit einem Heimsieg gegen Wilhelmshaven den Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen zu verringern.
SG BBM: Gorobtschuk, Radovanovic; Dahlhaus (7), Schäfer (7/4), Haller (6), Emrich (4), Barthe (3), Lohrbach (3/1), Salzer, Babarskas, Döll, Rentschler, Schmid, Scholz, Emanuel.

Drucken