Bietigheim zahlt Lehrgeld

Stuttgarter Zeitung
Bietigheim zahlt Lehrgeld

Die SGBB Bietigheim ist nach nur einem Jahr wieder aus der Handball-Bundesliga abgestiegen – und die sofortige Rückkehr kein Ziel. „Wir befinden uns in einem Umbruch“, sagt der Trainer Hartmut Mayerhoffer.

„Danke für eine geile Saison“, stand zum Saisonabschluss auf einem Transparent, das ein paar Jugendliche der SG BBM Bietigheim dem Publikum in der Egetrans-Arena präsentierten. Wenn man den Applaus der Besucher auf den Tribünen richtig interpretiert, hatten die Zuschauer tatsächlich Spaß an den Spielen des Teams, das sich mit einem 32:25-Sieg gegen den Bergischen HC zumindest erhobenen Hauptes aus der Handball-Bundesliga verabschieden konnte.

Und nimmt man nur den Zuschauerschnitt von exakt 3003 als Maßstab, wäre der Neuling auf Platz 14 eingelaufen. Im unteren Mittelfeld. Davon war die Mannschaft sportlich allerdings weit entfernt. Schon frühzeitig hat sich abgezeichnet, dass die SG dahin zurückkehrt, wo sie hergekommen war: in die zweite Liga. „Natürlich wären ein paar Punkte mehr drin gewesen, aber letztlich ist das eingetreten, was zu erwarten war“, schätzt auch der Bietigheimer Trainer Hartmut Mayerhoffer die Lage realistisch ein. Der Coach hatte nicht immer einen leichten Job. Neben dem Verletzungspech musste er auch mit dem geringsten Etat in der Liga (geschätzt nicht einmal 1,5 Millionen Euro) leben; beides machte sich bemerkbar.

Dank der Nachverpflichtungen von Darko Stanic, Romas Kirveliavicius und Rok Praznik – allesamt Nationalspieler – ließ die Mannschaft zwar hin und wieder ihr Können aufblitzen, aber zu selten über die gesamten 60 Minuten; so standen am Ende nur sechs Siege sowie ein Remis zu Buche – und der letzte Tabellenplatz. „Da waren bittere Momente dabei“, gibt der Mayerhoffer zu, „aber eben auch sehr lehrreiche.“

Ob sich das auszahlt? Während die Mitabsteiger wie Minden und Erlangen sowie wahrscheinlich auch Friesenheim den Wiederaufstieg im Visier haben, gibt man sich in Bietigheim bescheiden. „Wir wollen oben mitspielen“, sagt der neue Geschäftsführer Jochen Sandkühler, der erst vor einigen Wochen etwas überraschend den lange Jahre tätigen Timo Schön abgelöst hat. „Oben“ heißt in diesem Fall aber nicht um die ersten drei Plätze, die zum Aufstieg berechtigen. „Die zweite Liga wird eine Hammerliga“, sagt Mayerhoffer und verweist auf weitere ambitionierte Teams wie Hamm oder Coburg.

Eben nach Coburg wechseln der Torwart Jan Kulhanek und Kirveliavicius, den die SG gerne behalten hätte. Doch deren sehr gutes Angebot schlug der österreichische Nationalspieler aus. Für den Profi zählt eben das Portemonnaie. Daneben wurden zum Saisonende vier weitere Spieler verabschiedet: Marco Rentschler (Frisch Auf Göppingen), Andreas Blodig (TB Horkheim), Christian Heuberger (TGS Pforzheim) sowie Rok Praznik (Ziel unbekannt). Bereits während der Runde hatte der Weltklassetorwart Stanic die SG wieder verlassen, um in Kuwait und dann zur neuen Saison bei den Rhein-Neckar Löwen zwischen den Pfosten zu stehen. Im Gegenzug kamen bisher nur der Torhüter Ivan Stevanovic (Zagreb), Jan Döll (Groß-Bieberau) und Gerdas Babarskas (Krems/Österreich). Ein Spieler für den rechten Rückraum soll noch dazustoßen. „Das ist eine blutjunge Mannschaft“, sagt Mayerhoffer, aber durchaus eine mit Perspektive. Mittelfristig. Der bis 2018 unter Vertrag stehende Coach sagt: „Wir stecken in einem Umbruch.“ Bleibt abzuwarten, wie die Zuschauer ihn annehmen.

Klar ist auf jeden Fall schon, dass die Mannschaft nicht mehr in die altehrwürdige Halle am Viadukt zurückkehren, sondern auch in der zweiten Liga zwischen der Egetrans-Arena (Bietigheim) und der MHP-Arena (Ludwigsburg) pendeln wird. Mit Tendenz zur Nachbarstadt. Das hat nichts damit zu tun, dass Sandkühler aus dem Basketballbereich kommt und somit den MHP Riesen nahe stünde, sondern dass er vor allem das Marketing im Auge hat. „Wir müssen uns auch der Region öffnen“, sagt er. Zwar besitzt die SG rund 180 Sponsoren, doch mehr im kleineren bis mittleren Segment. „Deshalb müssen wir uns weiter entwickeln“, fügt er hinzu: sportlich, wirtschaftlich, organisatorisch.

„Um bestehen zu können, brauchen wir mindestens zwei Millionen Etat“, sagt der Trainer Mayerhoffer. Die Bundesliga war für Bietigheim in vielen Bereichen noch eine Nummer zu groß. „Aber sie schreit nach einer Wiederholung“, betont Sandkühler. Nur wann, das lässt er offen.

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