Dahlhaus bleibt cool und rettet Bietigheim

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Bietigheimer Zeitung
SG BBM: Schwache Leistung, starke Moral

Mies gespielt und dennoch gewonnen - der Handball-Zweitligist SG BBM Bietigheim ist im Heimspiel gegen Rimpar noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Beim 20:18- Sieg zeigten sich nur Keeper Kulhanek und Barthe in Form.

Die 1.353 Zuschauer, die am Samstagabend in die Viadukthalle gekommen waren, um sich das Zweitliga-Spiel zwischen der SG BBM Bietigheim und der DJK Rimpar anzuschauen, sind voll auf ihre Kosten gekommen. Zwar lieferten sich die zwei Teams ein Duell auf bescheidenem Handball-Niveau. Doch packend und kurzweilig war die Partie trotzdem.

Nach einem 12:17-Rückstand in der 48. Minute drehte die SG BBM den Spieß mit einer Energieleistung und einer tollen Moral noch um und feierte einen 20:18-Heimerfolg. Dadurch verbesserten sich die Bietigheimer auf Rang vier und schnuppern weiter an den Aufstiegsplätzen. Die Wölfe aus Rimpar müssen dagegen mehr denn je um den Klassenerhalt bangen.

In der torarmen ersten Hälfte erwischten die Unterfranken den besseren Start. Durch Treffer von Jan Schäffer (2) und Steffen Kaufmann lagen sie schnell mit 3:0 vorne. Da seine unkonzentriert und fahrig wirkenden Schützlinge überhaupt nicht ins Spiel fanden, nahm SG-Trainer Hartmut Mayerhoffer bereits in der fünften Minute die erste Auszeit. Erst Robin Haller, der später noch sein 100. Saisontor erzielte, beendete mit einem Aufsetzer aus dem Rückraum die fast sieben Minuten währende Torflaute der Hausherren und warf das 1:3 (7.).

Obwohl im Spiel nach vorne weiter wenig klappte und sich das Team viele technische Patzer und Fehlwürfe erlaubte, erkämpfte sich Bietigheim bis zur 21. Minute eine 6:3-Führung. Den Hauptanteil daran hatte allerdings die starke Abwehr, aus der zwei Akteure herausragten: Keeper Jan Kulhanek bot - wie auch sein Rimparer Gegenüber Max Brustmann - eine überragende Leistung und wehrte auch die ersten beiden Siebenmeter der DJK ab. Und der junge Franzose Paco Barthe stand im Innenblock seinen Mann, so als ob er seit Jahren in der Zweiten Liga spielt. Dabei hatte der 21-jährige Deutsch-Franzose zuvor noch in der fünftklassigen Württembergliga für die zweite Mannschaft gespielt. Nur durch die vielen Ausfälle im Zweitliga-Ensemble war er in den Kader gerutscht.

Nach 19 Minuten ohne Torerfolg schaffte Schäffer dann mal wieder einen Treffer für Rimpar und verkürzte so auf 4:6 (24.). Da Daniel Sauer sechs Sekunden vor der Pausensirene erfolgreich war, hieß es zur Pause 7:7. So wenige Tore in einer Hälfte hatte es in der Viadukthalle lange nicht mehr gegeben.

Nach einem ausgeglichenen Beginn und einem 10:10-Zwischenstand ergriffen die Gäste im zweiten Durchgang die Initiative und zogen bis zur 41. Minute mit vier Treffern in Serie auf 14:10 davon. Beim 12:17 betrug der Vorsprung der Wölfe gar bereits fünf Tore (48.). Alles deutete darauf hin, dass die SG BBM mal wieder gegen einen potenziellen Absteiger patzen würde - so wie das im Lauf der Saison schon gegen Leutershausen, Hüttenberg und Altenholz der Fall gewesen war.

Doch dann hatten die Rimparer offenbar Angst vor der eigenen Courage und ließen sich den Sieg noch aus der Hand nehmen. Die Bietigheimer zeigten den Wölfen nun die Zähne. Mit sieben Toren hintereinander wendeten sie das Unheil noch ab und gingen selbst mit 19:17 in Führung (58.). Längst hielt es die SG-Fans auf der Tribüne angesichts der dramatischen Wendung nicht mehr auf den Sitzen. Tobias Büttner stellte in der vorletzten Minute den 18:19-Anschluss für Rimpar her. Als Tim Dahlhaus, der in der heißen Phase vier wichtige Tore warf, 19 Sekunden vor Spielende das 20:18 markierte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Die SG BBM hatte eine verloren geglaubte Partie gedreht, trotz einer zuvor schwachen Leistung. Die Gastspiele bei den Aufstiegsrivalen aus Leipzig und Friesenheim können also kommen.

Ludwigsburger Kreiszeitung
Dahlhaus bleibt cool und rettet Bietigheim

In einem total verrückten Spiel gegen Abstiegskandidat DJK Rimpar verwandelte Handball-Zweitbundesligist SG BBM Bietigheim in der Schlussphase einen Fünf-Tore-Rückstand in einen 20:18 (7:7)-Sieg.

Als Hallensprecher Michael Kloiber die 1353 Zuschauer vor Spielbeginn „in der Hölle am Viadukt“ begrüßte, ahnte noch niemand, dass diese Begegnung Spieler und Fans tatsächlich von der Hölle zum Himmel führen würde.

Beeindruckt von dem 0:3-Rückstand und der von den 100 mitgereisten Fans provozierten Atmosphäre wie in einem Fußballstadion, zeigte die SG Nerven. Dem Fehlstart folgte ein Horrorkabinett an Fehlpässen, Ballverlusten und Stürmerfouls. Am Ende standen 19 technische Fehler zu Buche. „Das waren die schlechtesten 45 Minuten in dieser Saison“, musste SG-Trainer Hartmut Mayerhoffer eingestehen.

Ganze sieben Tore gelangen den völlig neben sich stehenden SG-Angreifern bis zum Seitenwechsel (7:7). Umso besser funktionierte die Abwehr, aus der Youngster Paco Barthe herausragte. Weil zudem Jan Kulhanek mit 19 Paraden über sich hinaus wuchs, erzielte Rimpar nach der 3:0-Führung seinen vierten Treffer erst in der 24. Minute!

Nicht viel besser erging es den Ellentälern, die im zweiten Abschnitt für drei Treffer durch Andreas Blodig, Tim Coors und Marco Rentschler elf Minuten benötigten und sich wegen der anhaltenden Torflaute einen 11:15-Rückstand einhandelten (45.).

Beim 12:17 (48.) schien die Messe gelesen, doch mit einem nicht mehr für möglich gehaltenen 8:1-Lauf drehte Aufstiegsaspirant Bietigheim dieses verrückte Spiel. Timo Salzer glich fünf Minuten vor Spielende zum 17:17 aus. Im Wahnsinnsfinale, das die Viadukthalle vollends zum Tollhaus machte, avancierte Tim Dahlhaus zum Matchwinner. Während seine Mitspieler das Nervenflattern bekamen, blieb der erst im Februar vom ASV Hamm ins Ellental gewechselte 21-jährige Linkshänder kühl wie Hundeschnauze und donnerte die Lederkugel gleich dreimal in die Rimparer Maschen.

„Nur wer kämpft, kann gewinnen. Großes Kompliment an meine Jungs wie sie den Rückstand umgebogen haben“, zog SG-Coach Mayerhoffer trotz spielerischer Mängel ein positives Fazit.

SG BBM:Kulhanek; Dahlhaus (4), Timo Salzer (4), Marco Rentschler (4/4), Haller (2), Lohrbach (2), Patrick Rentschler (1), Coors (1), Blodig (1), Barthe (1), Thorsten Salzer.

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