Bietigheimer Auswärtscoup in Essen

Ludwigsburger Kreiszeitung
SG BBM überrollt Tusem Essen

Bietigheimer Handballer düpiert den Aufstiegsaspirant mit 39:28-Sieg – Acht Treffer von Coors

Handball-Zweitbundesligist SG BBM Bietigheim meldet sich nach dem in der Höhe sensationellen 39:28 (18:9)-Auswärtssieg beim Aufstiegsaspiranten Tusem Essen im Aufstiegsrennen zurück.

„In Essen werden wir eine ganz andere SG als zuletzt erleben“ hatte SG-Trainer Hartmut Mayerhoffer vor dem schweren Gang zum Tabellensiebten Essen prognostiziert.

Dass sein Team in der Sporthalle „am Hallo“ nach zuletzt zwei bitteren Niederlagen derart auftrumpfen würde, damit hatte auch Mayerhoffer in seinen kühnsten Träumen nicht gerechnet.

Ausgehend von einer aggressiven Abwehr, die im Verbund mit Torhüter Jan Kulhanek im ersten Spielabschnitt nur neun Treffer der Gastgeber zuließ, erspielten sich die Ellentäler bis zur 15. Minute einen 10:4-Vorsprung, den sie bis zur Halbzeit auf 18:9 ausbauten.

Angeführt von Spielmacher Timo Salzer, der den Torreigen mit zwei Treffern eröffnete, über rannte der Ellental-Express die überforderten Essener, die nicht wussten, wie ihnen geschah. Neben Salzer (4) trafen im ersten Spielabschnitt Andre Lohrbach (5), Tim Coors (4), Robin Haller (3) sowie Marco Rentschler und Nils Boschen.

Noch nie zuvor hatte die SG in einer Halbzeit 19 Treffer erzielt. Und das muntere Scheibenschießen auf das Essener Gehäuse setzte sich auch in der zweiten Hälfte fort. Robin Hallers Treffer zum 20:10 (33. Minute) und 23:13 (36.) ließen Essener Hoffnung auf eine Wende erst gar nicht aufkommen.

Weil das sonst oftmals unterkühlt wirkende Nordlicht Tim Coors im Ruhrpott förmlich explodierte und mit acht Toren zu großer Form auflief, kam der Tusem nie auf Schlagdistanz an die über 60 Minuten überzeugenden Bietigheimer heran.

Nach drei Siegen in Folge sind die Ruhrpottler auf den achten Tabellenplatz zurückgefallen. Die SG BBM Bietigheim hat mit dem Triumph wieder Anschluss nach oben gefunden und ist hinter Erlangen und Friesenheim Dritter.

SG BBM Bietigheim: Kulhanek, Welz; Coors (8), Haller (6), Timo Salzer (6), Lohrbach (6), Marco Rentschler (5), Dahlhaus (2), Blodig (2/1), Boschen (2), Heling (1), Patrick Rentschler (1), Barthe.

Bietigheimer Zeitung
Bietigheimer Auswärtscoup in Essen

Mit einer bärenstarken Leistung gelang der SG BBM Bietigheim in der Zweiten Handball-Bundesliga der Männer am Freitagabend bei Tusem Essen ein klarer 39:28-Sieg. Trotz großer Personalnot trumpfte die Mannschaft von Trainer Hartmut Mayerhoffer riesig auf und nahm Essen auseinander.

Kurzfristig musste der Bietigheimer Trainer Hartmut Mayerhoffer im Zweitliga-Auswärtsspiel bei Tusem Essen auch noch seinen Abwehrstrategen Thorsten Salzer ersetzen. Ohnehin nicht dabei waren Christian Schäfer, Hannes Lindt (beide Kreuzbandriss) und Christian Heuberger, dem nun sogar eine Operation am Ellbogen droht.

"Mit diesem Ergebnis hat niemand gerechnet. Die Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, war klasse. Sie hat eine Reaktion auf die letzten Niederlagen und die Ausfälle gezeigt, das war sehr wichtig", freute sich der Bietigheimer Trainer Hartmut Mayerhoffer nach dem doch überraschend hohen 39:28- Sieg in Essen. "Das war eine Energieleistung. Die kämpferische Einstellung, der Wille und die Moral waren entscheidend", lobte der Bietigheimer Coach. "Das war eine echte Herausforderung", meinte er zur Zusammenstellung der Mannschaft angesichts der Ausfälle.

Dabei begann es gar nicht gut für die Gäste. In der zweiten Minute verballerte Lohrbach einen Siebenmeter. Das Missgeschick korrigierte Timo Salzer schnell und brachte Bietigheim mit zwei Toren in Führung. Die Essener fanden kaum Mittel gegen das schnelle Tempospiel der Bietigheimer, die von 5:2 auf 10:4 und 12:6 davonzogen. Nach 28 Minuten lagen die Gäste bereits mit 17:9 vorne und packten bis zur Halbzeit noch einen Treffer drauf.

Ermöglicht hatten die Gegenstöße die Paraden des Ex-Esseners Jan Kulhanek im SG-Tor sowie eine bombensichere Abwehr. Den Gastgebern gelangen in 30 Minuten nur magere neun Tore. Patrick Rentschler und Robin Haller bildeten dabei den Innenblock. "Das haben die Jungs richtig gut gemacht. Durch eine aggressive Abwehr sind wir dann auch zu einfachen Toren gekommen", so Mayerhoffer. Im Angriffsspiel glänzte etwa Linkshänder Tim Coors, dem acht Treffer gelangen. Aber auch André Lohrbach und Timo Salzer (je sechs Tore) waren von der Essener Abwehr kaum zu halten. Das traf auch auf den jungen Marco Rentschler zu. Der Rechtsaußen war fünfmal erfolgreich. Auf sich aufmerksam gemacht hat auch Nachwuchsmann Nils Boschen, dem zwei Treffer gelangen. Er und Paco Barthe standen später in der Abwehr ihren Mann, als die anderen Pausen benötigten.

In der zweiten Halbzeit ließen die Gäste keinen Millimeter nach, zogen konsequent, konzentriert und engagiert ihr Spiel durch. Über die Spielstände von 20:10, 22:12, 25:15 und später 35:25 hielten sie den Toreabstand meist bei zehn Treffern. Einzig mit dem Essener Julius Kühn hatten die Bietigheimer ihre Probleme, denn er erzielte neun Treffer aus dem Spiel heraus.

Mit diesem Sieg haben die Bietigheimer das erste von drei aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen bravourös gemeistert und sich nach zwei Niederlagen im Kampf um den Aufstieg eindrucksvoll zurückgemeldet. Zumindest vorübergehend belegen sie wieder Rang drei.


WAZ derwesten.de
28:39 – Tusem gegen Bietigheim von der Rolle

Handball-Zweitligist Tusem musste am Freitagabend eine bittere Pille schlucken. Die Essener unterlagen im Spitzenspiel vor eigenem Publikum der SG BBM Bietigheim mit 28:39.Bietigheimer packen zuSchon früh deutete sich an diesem Abend an, dass die Essener nach 60 Minuten mit leeren Händen dastehen würden. Die Bietigheimer packten in der Deckung so zu, wie es sich eigentlich die Essener vorgenommen hatten. Wie die Gäste zupackten, davon legten die Trikots einiger Tusem-Spieler sichtbar Zeugnis ab. Während bei Philipp Pöter früh der rechte Ärmel seines Leibchens nur noch an einem Faden baumelte, wurde besonders das Trikot von Tusem-Kapitän und -Kreisläufer André Kropp dauerhaft von den Bietigheimer Abwehrspielern auf seine Festigkeit geprüft. Das Trikot hielt. Beim Abpfiff dürfte es aber wohl eine Nummer größer gewesen sein.Von 4:5 auf 4:12Die Gäste, bei denen Torwart Jan Kulhanek den Vergleich mit seinen ehemaligen Mannschaftskollegen Ante Vukas und Sebastian Bliß gewann, machten den Essenern aber nicht nur in der Deckung vor, wie es geht. Ihre Positionsangriffe spielten die Bietigheimer zwar mit Tempo, aber lange. Bot sich allerdings bei Ballgewinn die Chance zu einem Gegenstoß, nutzten sie diese nahezu gnadenlos. Allein in der ersten Halbzeit kamen sie so – besonders über den flinken André Lohrbach – zu acht einfachen Toren. Auf der anderen Seite musste sich der Tusem fast jedes Tor hart erarbeiten. Was gegen eine wie erwähnt kompromisslose Bietigheimer Abwehr kein Zuckerschlecken war. Als den Essenern zwischen der 11. und 17. Minute kein Treffer gelang, sorgten die Gäste bereits für eine Vorentscheidung und zogen von 5:4 auf 12:4 davon.Nach dem 9:18 zur Pause ging es schlichtweg nur noch darum, das Ergebnis in einem einigermaßen erträglichen Rahmen zu halten und zumindest eine zweistellige Differenz zu verhindern. Das gelang nicht. Es war wirklich nicht der Abend des Tusem.

Drucken