Ein Abschied mit viel Wehmut

Bietigheimer Zeitung

Ein Abschied mit viel Wehmut

Jochen Zürn absolviert heute ab 19.30 Uhr gegen den VfL Bad Schwartau mit dem Handball-Zweitligsten SG BBM Bietigheim sein letztes Heimspiel. Die SG BBM hat den auslaufenden Vertrag mit dem Erfolgstrainer nicht verlängert. Wir haben uns mit Zürn über seine Zeit bei der SG BBM und seine sportliche Zukunft unterhalten.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie heute Abend in die Halle am Viadukt? JOCHEN ZÜRN: Natürlich irgendwo mit sehr viel Freude, weil ich es noch genieße, mit der Mannschaft zu arbeiten. Aber auch mit einer erhöhten Portion Wehmut und Respekt vor der Situation, weil es mein letztes Heimspiel als Cheftrainer in Bietigheim ist und da letztendlich fünf Jahre in Bietigheim zu Ende gehen. Da habe ich schon großen Respekt, weil ich durchaus ein emotionaler Mensch bin und ich weiß, dass mich die Emotionen da irgendwie packen werden Wie schwer fällt Ihnen der Abschied von der SG BBM.? ZÜRN: Sehr schwer. Echt sehr schwer. Ich habe mich unheimlich wohlgefühlt und mit der SG total identifiziert. Ich kann, das glaube ich von mir behaupten zu können, die SG gelebt zu haben in all den Darstellungen nach außen. Ich habe mir eine Mannschaft zusammengestellt, die ich auch liebe. Diese Jungs sind meine Jungs, und mit denen bin ich dreieinhalb harte Jahre, aber auch geile Momente gegangen. Das ist schon schwierig jetzt. Da fällt der Abschied extrem schwer. Sie haben mit Ihrer Mannschaft bis zum drittletzten Spieltag um den Aufstieg mitgespielt. Hätten Sie das vor der Saison erwartet? ZÜRN: Absolut nicht. Ich glaube, dass wir anzusiedeln waren von Platz sechs bis acht vielleicht und das unser konkretes Ziel war. Damit wäre ich zufrieden gewesen und auch der Verein und ganz Bietigheim wären mit Platz sechs, sieben oder acht zufrieden gewesen. Dass wir in der Liga mit dem ausgeglichenen Feld, in dem jeder jeden schlägt, dann sogar bis kurz vor Schluss im Aufstiegsrennen sind, das war nicht zu erwarten. Wie lautet das Erfolgsrezept? ZÜRN: Ich glaube, dass wir sehr konzentriert arbeiten, uns sehr gut zuhören und wir uns sehr respektieren. Ich denke auch, dass wir sehr viel füreinander tun und dass wir sehr eng zusammenrücken können. Und dass einfach auch dieser Teamgeist, den wir über Jahre entwickelt haben, einfach ein ganz, ganz großer Schlüssel ist. Gepaart natürlich mit den individuellen Klassen der einzelnen Spieler, die wir aber auch immer wieder zum richtigen Moment auf der richtigen Position einsetzen. Es ist ein Gesamtpaket. Ich würde aber den Teamgeist über alles stellen. Sie haben den Teamgeist betont. Aber wer wäre für Sie der "Spieler der Saison", oder die "Entdeckung der Saison"? ZÜRN: Es gibt aus meiner Sicht drei Entdeckungen. Was Christian Heuberger für eine Leistungsexplosion hatte, ist schon sehr, sehr beeindruckend. In dem Alter die Kapitänsrolle zu bekommen, die ihm keine Last ist, sondern die ihm gutgetan hat, und dann so zu explodieren und so einen dominanten Auftritt am Kreis und in der Abwehr zu haben - das finde ich, macht ihn zu einem Spieler der Saison. Dann sicherlich ein Andy Blodig, der für mich wieder zu den absolut besten Mittelleuten in dieser schweren Liga gehört hat. Und dann Linksaußen Christian Schäfer, der im Grunde den Sprung von der Nummer zwei zur Nummer eins in einer Souveränität gemacht hat, die sehr beeindruckend ist.

Es geht heute im Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten VfL Bad Schwartau darum, den vierten Tabellenplatz vollends klar zu machen. Wie charakterisieren sie den heutigen Gegner? ZÜRN: Das wird äußerst schwierig, weil der Gegner top besetzt ist. Bad Schwartau spielt sehr abgewichst, spielt sehr dynamisch. Alle haben das Handballspiel verstanden und wissen, wo sie sich wann hinbewegen und hinstellen müssen. Das wird eine richtige Aufgabe, zumal wir nicht unter optimalen Voraussetzungen spielen müssen. Warum nicht? ZÜRN: Ich denke, dass uns Thorsten Salzer fehlen wird, ich weiß auch nicht, ob Christian Heuberger mit seiner Schienbeinverletzung spielen kann. Definitiv ausfallen wird uns Milos Hacko, der eine Herzuntersuchung mit einer Sonde hatte und dadurch an der Leiste verletzt ist. Er wäre natürlich in seinem letzten Heimspiel gerne im Tor gestanden und hätte uns geholfen, zwei Punkte zu holen, oder zumindest den einen Punkt, der uns reicht, um Platz vier abzusichern. Zu Ihrer sportlichen Zukunft: Was gab den Ausschlag, zum Drittligisten TSB Horkheim zu wechseln, bei dem Sie einen personellen Umbruch einleiten müssen? ZÜRN: Das ist eigenlich die Herausforderung für mich. Ich treffe auf einen Verein, der seit Jahren in der Dritten Liga Spitze ist, der Pokalsiege gefeiert hat. Diese Mannschaft wird deutlich verjüngt. Es gehen Leistungsträger und es kommen sehr, sehr junge Spieler nach. Und das ist der Reiz, junge Spieler über ein, zwei Jahre - mein Vertrag läuft momentan über zwei Jahre - in dieser Dritten Liga zu entwickeln und zu etablieren, um dann vielleicht irgendwann mal, wenn es die Möglichkeit von wirtschaftlicher Seite gibt, mit der Zweiten Liga irgendwo zu liebäugeln.

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