Bietigheimer Handballer sichern sich Platz 4 – Trainer Zürn und vier Spieler sagen Servus

mwo 8293 20130603 1218356964Ludwigsburger Kreiszeitung

Applaus und Emotionen zum Abschied

Bietigheimer Handballer sichern sich Platz 4 – Trainer Zürn und vier Spieler sagen Servus

Mit dem 25:25 (12:14)-Unentschieden gegen den VfL Bad Schwartau sicherten sich die Handballer der SG BBM Bietigheim am vorletzten Spieltag der 2. Bundesliga den vierten Tabellenplatz.

Nach dem in der Schlussphase erkämpften Punktgewinn ballte der scheidende SG-Trainer Jochen Zürn zufrieden die Faust: „Das war ein sauschweres Kampfspiel“. Mit Rang vier, direkt hinter den Aufsteigern Bergischer HC, Emsdetten und Eisenach, gelang den Bietigheimern ihre bisher beste Zweitligaplatzierung.

Weil auch Bad Schwartau keinen Zentimeter Boden verschenkte, entwickelte sich ein verbissener Fight, gewürzt mit acht Zeitstrafen und einer roten Karte gegen Gäste Kapitän Matthias Hinrichsen.
Der VfL führte schon nach zwei Minuten mit 4:0 und lag auch beim Seitenwechsel mit zwei Treffern vorne (14:12).

Den verkrampft wirkenden Ellentäler gelang in der 45. Minute durch Rechtsaußen Christian Schäfer erstmals der Ausgleich zum 19:19. Als Andre Lohrbach eine Minute später zur 20:19-Führung einnetzte, glaubten die knapp 1000 Zuschauer an die Wende. Doch der Tabellenfünfte konterte und lag in der 57. Minute erneut mit drei Toren vorne (22:25).

„Ich bin stolz, wie meine Jungs mit Kampf und Leidenschaft zurückgekommen sind,“ kommentierte SG-Coach Zürn die verbleibenden drei Minuten. Robin Haller, Schäfer mit seinem 200. Treffer sowie Lohrbach mit blitzschnellem Gegenstoß sorgten für den umjubelten Ausgleichstreffer.

Noch mehr Applaus spendeten die SG-Fans bei der anschließenden Verabschiedung von Trainer und Spieler. Mit Pascal Durak, Pierre Freudl, Philipp Schulz sowie Torhüter Milos Hacko verlassen gleich vier Stützen die SG BBM. Besonders viele Emotionen kamen auf, als Co-Trainer Sven Scheerschmidt und Chefcoach Zürn (der von der Handball-Bundesliga als zweitbester Trainer ausgezeichnet wurde) Servus sagten. Zürn war ergriffen: „Ich muss erstmal schlucken und mich bei meiner Familie bedanken“.

SG BBM: Welz; Schäfer (5/2), Lohrbach (5), Blodig (4), Haller (3), Timo Salzer (2), Heuberger (2), Coors (2), Freudl (2), Durak, Rentschler, Schulz.


Bietigheimer Zeitung

SG BBM Bietigheim und VfL Bad Schwartau trennen sich 25:25

Trainer Jochen Zürn verabschiedet sich vom Handball-Zweitligisten SG BBM Bietigheim mit dem vierten Tabellenplatz. Den sicherte sich seine Mannschaft im letzten Saison-Heimspiel mit einem 25:25 nach einer Aufholjagd gegen den Tabellennachbarn VfL Bad Schwartau.

Die emotionalen Momente gab es nach der Zweitliga-Partie der SG BBM Bietigheim gegen den VfL Bad Schwartau bei der Verabschiedung des Trainerteams Jochen Zürn und Sven Scheerschmidt sowie der Spieler Pierre Freudl, Philipp Schulz, Pascal Durak und Milos Hacko.

Das Sextett verabschiedete sich vom Heimpublikum mit dem Unentschieden gegen das Team aus Norddeutschland und dem vierten Tabellenplatz. Emotional war auch die Partie, die sich zu einem Kampfspiel entwickelte, in dem die Bietigheimer im Schlussspurt aus einem 22:25 Rückstand noch ein 25:25 machten. Die Bietigheimer kamen wie schon in der Woche zuvor bei der SG Leutershausen in der Abwehr lange nicht zurecht.

Allerdings musste SG-Trainer Zürn auf den erkrankten Torhüter Hacko sowie Abwehrstratege Thorsten Salzer (verletzt) verzichten. Kapitän Christian Heuberger war angeschlagen und musste vorzeitig runter. Nach zweieinhalb Minuten lagen die Gastgeber gegen die furios beginnenden Bad Schwartauer bereits mit 0:4 in Rückstand. Mühsam kämpften sie sich heran, die Gäste hielten den Vorsprung aber meist bei drei Toren. Zu oft versuchten es die Gastgeber mit überhastet abgeschlossenen Würfen. Sie waren aber beim 10:11 auf einen Treffer dran und steigerten sich in der zweiten Halbzeit vor allem in der Abwehr. Die Gäste kamen in den zweiten 30 Minuten nur noch zu elf Treffern.

Das lag auch am jungen Torhüter Pascal Welz, der mehrfach glänzend parierte. In der 45. Minuten ging die SG beim 20:19 erstmals in Führung. Bad Schwartau fing sich aber wieder und legte wieder vor. Beim 24:21 waren es erneut drei Treffer. In den letzten acht Minuten schafften die Gäste nur noch ein Tor. Die SG BBM wollte ihren scheidenden Trainer unbedingt mit einem Erfolgserlebnis verabschieden und erkämpfte sich mit Entschlossenheit noch einen Zähler, der für Platz vier ausreichte.

"Ich bin stolz auf die Mannschaft, die für sich und für mich noch enen Punkt erkämpft hat. Sie hat Charakter gezeigt. Eswar schwer ohne Thorsten Salzer und Milos Hacko und dann auch noch ohne Christian Heuberger. Wir wollten ihn ins Feuer werfen, aber es ging nicht mehr. Pasi Welz ist später gut reingekommen und auch Paco Rentschler hat es noch sehr, sehr gut gemacht", meinte Trainer Zürn zur Partie.

In dieser Woche lassen es die Bietigheimer etwas ruhiger angehen und bereiten sich ab Donnerstag auf ihr letztes Saisonspiel beim Meister Bergischer HC vor. In die Sommerpause starten sie mit einem Mannschaftsausflug nach Mallorca. Dann beginnt bei der SG BBM eine neue Trainer-Ära mit Hartmut Mayerhoffer, dem sein Vorgänger eine intakte und erfolgreiche Mannschaft hinterlässt.

Bietigheim - Schwartau 25:25 (12:14)

SG BBM Bietigheim: Welz; Haller (3), Rentschler, Timo Salzer (2), Heuberger (2), Schäfer (5/2), Coors (2), Blodig (4), Durak, Freudl (2), Schulz, Lohrbach (5).

VfL Bad Schwartau: Mahnecke, Panzer; Hansen, Podpolinski (7), Wagner (3/2), Hinrichsen, Waschul, Tretow (8/1), Kretschmer (1), Dombrowski, Schliedermann (3), Quade (2).

Siebenmeter: 2/2 - 3/2; Zwei-Minuten-Strafen: 3 - 5; Rote Karte: Hinrichsen (45./Bad Schwartau); Schiedsrichter: Christoph Maier (Steinbach), Michael Kilp (Oberursel); Zuschauer: 915.

 


Stimmen zum Abschied

Milos Hacko, Torhüter, der die SG BBM Bietigheim nach zwei Spielzeiten verlässt: Bei mir ist wieder alles okay. Nach einer Untersuchung habe ich ein Loch in der Leiste und habe deswegen nicht gespielt. Ich gehe in meine Heimat zurück. Ich brauche jetzt eine Pause. Ich habe einige Angebote aus Österreich, weil ich in der Slowakei nahe der österreichischen Grenze wohne. Ich kann jetzt noch nicht sagen, ob ich nicht mehr spielen werde, denn ich bin ja körperlich fit. Aber zuerst brauche ich ein halbes Jahr Pause und wenn ich dann wieder große Lust bekomme, dann spiele ich wieder. Die Zeit in Bietigheim war super, ich kann nur positive Sachen sagen. Ich habe andere Vereine in der Zweiten Liga erlebt, aber dieser Verein ist professionell, das kann ich nicht vergleichen. Die SG ist wirtschaftlich und organisatorisch auf einem sehr guten Weg in die Erste Liga.

Philipp Schulz, der zur SG Leutershausen wechselt: Es waren vier schöne Jahre hier für mich. Das letzte Jahr war nochmal besonders schön, weil wir da oben mitgespielt haben mit der besten Platzierung, die Bietigheim je hatte. Ich bin ein bisschen traurig, aber ich freue mich auch wieder Richtung Heimat zu kommen. Das Spiel gegen Bad Schwartau wollten wir ja gewinnen. Zum Glück haben wir noch den Ausgleich geschafft.

Pierre Freudl, der die SG ebenfalls verlässt: Die Zeit in Bietigheim nimmt einen sehr, sehr großen Stellenwert ein. Es waren viereinhalb wunderbare Jahre mit allem was dazu gehört, mit Höhen und Tiefen. Es ist einfach eine Riesenmannschaft mit ganz vielen Charakteren. Wir sind nicht nur auf dem Spielfeld zusammengewachsen, sondern auch außerhalb. Ich gehe mit Wehmut. Was ich mache, weiß ich noch nicht. Wenn ich was mache, möchte ich das schon ambitioniert angehen. Es stehen ein paar Dinge noch offen. Heute war es eine zähe Geschichte, aber letztendlich haben wir es nochmal umgebogen.



bau-20130601-ak-042 20130603 1613629161Handball-Splitter

Moderator Michael Kloiber sorgte bei der Verabschiedung des Trainerteams Jochen Zürn und Sven Scheerschmidt sowie der vier Spieler Milos Hacko, Pascal Durak, Philipp Schulz und Pierre Freudl mit seinen persönlichen Ansprachen, seinem umfangreichen Fachwissen und so mancher Anekdote für Gänsehautstimmung und bewies einmal mehr seine Klasse und Professionalität gepaart mit Menschlichkeit am Mikrofon.

VfB-Fan Marco Wolf, als Teamorganisator in vielen Bereich für die SG tätig ein und ein enger Mitarbeiter von Trainer Zürn, verzichtete trotz Eintrittskarte auf die Berlin-Reise zum DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart, um im letzten Heimspiel Zürns in der Halle am Viadukt zu sein Die Niederlage der Stuttgarter nahm Wolf im VfB-Trikot gelassen.

Als Glücksgriff und "beste sportliche Entscheidung" bezeichnete Jochen Zürn Sven Scheerschmidt als Co-Trainer zur SG BBM zurückzuholen. Die beiden arbeiteten drei Jahre vertrauensvoll und erfolgreich zusammen. Nach 23 Jahren im Handball, davon 20 als aktiver Spieler, legt Scheerschmidt, der in Leingarten wohnt, eine Pause ein.

Danke sagte der scheidende SG-Trainer Zürn allen, die ihn auf seinem Weg bei der SG BBM begleitet und ihm bei seiner Arbeit geholfen haben. Auch seine Familie mit Ehefrau, Sohn und Tochter waren beim Abschied auf der Tribüne. "Dass sie hier sind, macht mich sehr glücklich und stolz", so Zürn. "Ich bin sehr dankbar, ein Teil der SG-Familie gewesen zu sein. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, hier gab es die Atmosphäre, die man braucht, um den Job zu machen." Er erinnerte an einige Stationen seines Wirkens bei der SG BBM und vergaß auch nicht den verstorbenen SG-Manager Alexander List zu erwähnen, zu dessen Zeiten Zürn Co-Trainer war. Eventuellen Sorgen, er könne womöglich Kritisches von sich geben, zerstreute der Trainer, dessen Vertrag nicht verlängert wurde: "Keine Angst, ich sage nichts. Man muss den Regler nicht herunterdrehen."

 

 

 

 

 

Drucken E-Mail