SG aus der Hölle in den Himmel

Ludwigsburger Kreiszeitung

SG aus der Hölle in den Himmel

 

Bietigheim-Bissingen – Vorgezogenes Weihnachtsfest bei den Handballern der SG BBM Bietigheim: 26:31 lag das Zweitligateam gegen den Bundesligaabsteiger TSG Friesenheim fünf Minuten vor dem Ende zurück - und gewann dann sensationell mit 33:32 Toren.

„Stolzer als ich kann noch nie ein Trainer auf seine Mannschaft gewesen sein“. Dieses Zitat stammt von Jürgen Klopp, gestern Abend um 21.30 Uhr aber durfte es nur einem zugeschrieben werden: Jochen Zürn.
Was sein Team in den letzten fünf Minuten auf das Parkett der Viadukthalle zauberte, stellte selbst den Fußball-Pokalhit der Dortmunder Borussia vom Vorabend in den Schatten – und ließ den Trainer der SG gemeinsam mit seinen Spielern und den 1000 Zuschauern Freudentänze zelebrieren.

 Als Friesenheims Bester, Felix Kossler, mit seinem siebten verwandelten Siebenmeter nach einem umstrittenen Foul von Pierre Freudl zum 26:31 traf, schien die Niederlage nach einem insgesamt desaströsen Spiel der Gastgeber besiegelt. Dann aber brachten Matthias Hinz und Christian Schäfer die SG blitzschnell auf 28:31 heran. Als dann auch noch Pascal Welz, in der zweiten Spielhälfte für Routinier Milos Hacko ins Spiel gekommen, einen Wurf von Alexander Becker in Klassemanier parierte, witterten die SG-ler plötzlich Morgenluft. Freudl verkürzte auf 29:31, Philipp Schulz auf 30:31, ehe nochmals Schäfer zum 31:31 ausglich.

Zu diesem Zeitpunkt hielt es die Handballfans längst nicht mehr auf ihren Sitzen. Und bei den Gästen begann das große Nervenflattern. Der bis dahin traumhaft sicher werfende Kossler setzte seinen achten Siebenmeter an den Pfosten, auf der anderen Seite zeigte SG-Kapitän Nico Kibat seine Klasse und verwandelte zur 32:31-Führung. Beckers erneut verworfenen Siebenmeter machte der Schütze selbst durch das 32:32 wett. Ihren letzten Angriff aber verwertete die SG BBM durch Schäfer zum 33:32-Endstand.
 Über die katastrophale Leistung bis zur furiosen Schlussphase legten alle Beteiligten erst einmal den Mantel des Schweigens, fast nichts lief zusammen.
 Bis zum 2. Weihnachtstag – dann geht es in der Stuttgarter Porsche-Arena gegen den alten Rivalen TV Bittenfeld – dürfen sie verschnaufen. Und das vorgezogene Weihnachtsfest in vollen Zügen genießen.

SG BBM Bietigheim: Hacko, Welz; Haller (3), Bohnert 81), Kibat (7/5), Heuberger (2), Schäfer (5), Coors (2), Blodig, Hinz (2), Freudl (3), Zieker 81), Schulz (4).


Bietigheimer Zeitung

Acht Minuten vom Feinsten Bietigheimer Zweitliga-Handballer besiegen Friesenheim mit 33:32 (15:18)
Nach einer furiosen Aufholjagd besiegte Handball-Zweitligist SG BBM Bietigheim gestern Abend vor 1000 Zuschauern in der Halle am Viadukt die TSG Friesenheim mit 33:32 (15:18). Den Siegtreffer erzielte Christian Schäfer sieben Sekunden vor dem Schlusspfiff.

Höchsten Unterhaltungswert für die rund 1000 Zuschauer hatte gestern Abend das Duell zwischen der SG BBM Bietigheim und der TSG Friesenheim. Acht Minuten vor Schluss führten die Gäste mit 30:24. Mit einer Energieleistung, unbändigem Einsatz und Kampfgeist machten sich die Bietigheimer, denen bis dahin weder in der Abwehr noch im Angriff allzu viel gelungen war, über die "Eulen" aus Friesenheim her. Die Mannschaft von Trainer Jochen Zürn bot Handball vom Feinsten, rannte und spielte den Gegner in Grund und Boden. In dieser Zeit erzielte die SG BBM neun Treffer und ließ nur noch zwei Gegentore zu.

Beim Stand von 31:31 versagten dem überragenden Friesenheimer Rechtsaußen Felix Kossler die Nerven. Nachdem er zuvor sieben Siebenmeter in allen Varianten versenkt hatte, scheiterte er in einer Phase, in der das Publikum die Bietigheimer frenetisch anfeuerte, mit einem weiteren Strafwurf am Torpfosten. Im Gegenzug machte es Spezialist Nico Kibat besser. Mit seinem fünften verwandelten Siebenmeter erzielte er die 32:31-Führung. Damit lag die SG BBM erstmals seit dem 1:0 schon nach 54 Sekunden wieder vorne. Zwar glich Alexander Becker in der Schlussminute nochmals aus, aber sieben Sekunden vor der Schlusssirene war Rechtsaußen Christian Schäfer wieder durch die lange so stabile Abwehr der Gäste durchgebrochen und hatte den Ball ins TSG-Tor gezwirbelt. Nach dem Siegtreffer brachen in der altehrwürdigen Halle am Viadukt alle Dämme. Die Bietigheimer Spieler mit Trainer- und Betreuerteam feierten zusammen mit den reich bescherten Zuschauern, die ein aufregendes Spiel mit einem glücklichen Ende für die SG BBM erlebt hatten.

Obwohl der Absteiger mit Torhüter Kevin Klier, Benjamin Matschke und Andrej Kogut seine drei besten Spieler verletzungsbedingt nicht dabei hatte, bot das Team von Trainer Thomas König bis zur 50. Minute eine bärenstarke Leistung. Vor allem gegen die stabile und robuste Abwehr fiel den Bietigheimern wenig ein. Im Rückraum spielten die Friesenheimer meist geduldig ihre Angriffe aus, ballerten dann erfolgreich aufs Tor, oder setzten den sperrigen Kreisläufer Becker in Szene, der so sechs Treffer erzielte.

Nachdem die Gäste in den ersten 15 Minuten meist mit zwei Toren in Führung lagen, bauten sie ihren Vorsprung danach aus und führten mit ihrer überlegten und auf einer starken Defensive basierenden Spielweise in der 24. Minute mit 16:11 und kurz vor der Pause mit 18:13. Nachdem Kibat einen Siebenmeter verwandelt hatte, gelang Sebastian Knierim in letzter Sekunde noch der Anschlusstreffer zum 15:18.

Am vergangenen Samstag lag die SG BBM gegen den VfL Bad Schwartau nach 30 Minuten mit vier Treffern zurück und holte sich mit einem Zwischenspurt noch den Sieg. Zwar sah es auch gestern zunächst danach aus, als ob die Gäste einbrechen würden. Bis zur 35. Minute hatte die SG BBM beim 19:19 ausgeglichen. Ein paar Minuten später führten die Friesenheimer beim 25:19 wieder mit sechs Toren. Bei der SG BBM endeten viele Angriffe mit Fehlwürfen oder Fehlern, auch Torjäger Robin Haller verzeichnete etliche Würfe ins Toraus.

Nach einer Auszeit der Gäste probierten es die Bietigheimer durch ihre beiden Außenspieler mit einer offensiven Deckung gegen Ognjen Backovic und Nils Brandt sowie nach dessen Auswechslung gegen den wurfgewaltigen Mindaugas Veta. Damit gab Coach Zürn seiner verunsicherten Mannschaft nach dem klaren Rückstand ein taktisches Mittel an die Hand, das die grandiose Aufholjagd einleitete. "Ich bin einfach brutal stolz auf die Mannschaft und auf das, was die Jungs körperlich, von der Moral und vom Kopf her geleistet haben. Wir haben zuvor schlechten Handball gespielt und sind zu Recht zurückgelegen. Deswegen ein Riesenkompliment", freute sich SG-Coach Zürn nach dem Kraftakt in der Schlussphase. "Dass der Gegner eine Auszeit genommen hat, ist uns entgegengekommen, da konnten wir uns auf eine offensive Deckung einstellen. Wir wussten, dass die Friesenheimer aufgrund der Tabellensituation psychisch nicht stabil sind und Fehler machen, wenn sie unter Druck geraten", so Zürn. Mit dem 33:32-Sieg glichen die Bietigheimer ihr Punktekonto aus.

Am Montag gastiert die SG BBM um 18 Uhr in der Porsche-Arena in Stuttgart beim TV Bittenfeld. Erwartet werden über 5000 Zuschauer.

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