Pfiffe und "Aufhören"-Rufe bei erster GWD-Heimpleite

Mindener Tagblatt

Pfiffe und "Aufhören"-Rufe bei erster GWD-Heimpleite
Beim 35:37 gegen Bietigheim versagt die Mindener Abwehr auf ganzer Linie


Minden (kn). Damit hatte niemand gerechnet: Handball-Zweitligist GWD Minden kassierte nach schwacher Vorstellung beim 35:37 (17:21) gegen SG BBM Bietigheim die erste Heimniederlage der laufenden Saison. Knapp 2000 Zuschauer quittierten die enttäuschende Leistung der Hausherren mit Pfiffen und "Aufhören-Rufen.

Bietigheim war glänzend vorbereitet, hebelte die völlig indisponierte GWD-Deckung immer wieder mit einfachsten Mitteln aus. Der agile Robin Haller (9 Tore) spielte mit der GWD-Deckung praktisch Katz und Maus.

Auch mit ihrer offensiven 3-2-1-Deckung hatten die Süddeutschen den richtigen Schlüssel gegen Dalibor Doder und Co. parat. Während bei Minden vieles über Einzelaktionen lief, präsentierte sich Bietigheim als spielerisch und taktisch klar überlegenes Team. Bezeichnend, dass der nach 20 Minuten eingewechselte Torhüter Anders Persson am Ende noch bester Mindener Spieler war.

Bietigheim löste sich vom 13:13 zum 20:15 und behauptete nach der Pause gegen eine ratlose Mindener Mannschaft über 24:18, 30:24 und 34:28 lange Zeit einen Sechs-Tore-Vorsprung.

"Der Erfolg der Bietigheimer war völlig verdient. Wenn man daheim 35 Tore wirft und dennoch verliert, dann ist das nicht mehr akzeptabel", zeigte sich GWD-Trainer Ulf Schefvert nach der unplanmäßigen Heimpleite konsterniert. "Unsere Abwehr war sehr, sehr schlecht. Es fehlte an Bewegung, Dynamik und Abstimmung. Das müssen wir jetzt analysieren", erklärte der Schwede in der Pressekonferenz.

GWD Minden: Vortmann (1.-20.), Persson (20.-60.), Andersson (6), Bartsch (2), Auerswald (2), Steinert, Südmeier, Schmidt (4/2), Svitlica (2), Doder (7), Klesniks (2), Bilbija (10), Helmdach (n.e), Oevermann (n.e.).


Ludwigsburger Kreiszeitung

Außenseiter Bietigheim düpiert den Favoriten

Minden – Die Handballer der SG BBM Bietigheim haben für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Beim haushohen Favoriten GWD Minden gewann der Zweitbundesligist nach glanzvollem Spiel mit 37:35 (21:17) Toren.
 
Das spielfreie Wochenende nach der Heimniederlage gegen Saarlouis ist den Schützlingen von Trainer Jochen Zürn offenbar bestens bekommen. Mit Rückkehrer Robin Haller als Torgarant und einem spielfreudigen Youngster Patrick Rentschler, der wie Siebenmeterspezialist Nico Kibat sieben Treffer beisteuerte, zeigten sich die Ellentäler von ihrer Schokoladenseite.
 Zwar legten die Ostwestfalen, die in den bisherigen Heimspielen ihre Gegner nacheinander mit mehr als zehn Toren Differenz aus der Kampa-Halle gefegt hatten, in der Anfangsphase immer ein Tor vor, die Gäste ließen sich aber nicht abschütteln. Patrick Zieker brachte die SG beim 11:10 (18. Minute) erstmals in Führung, die über 21:16 bis zur Halbzeit (21:17) vier Treffer betrug.
 Auch nach dem Wechsel ließ die SG nicht nach. Haller und Rentschler erhöhten in einem temporeichen Schlagabtausch auf 23:17. Zahlreiche Latten- und Pfostentreffer auf beiden Seiten sowie ein überragender Milos Hacko im Bietigheimer Tor gaben der Partie die Würze. Die Mindener Torjäger Dalibor Doder (7 Treffer) und Nenad Bilbija (10) ließen zwar ihre Gefährlichkeit aufblitzen, die SG-Abwehr hatte aber stets die richtige Antwort parat.
 Über 18:24 und 19:26 (39.) zogen die Gäste vermeintlich vorentscheidend davon, ehe GWD Minden zwei Minuten vor Schluss noch einmal auf drei Tore (33:36) aufschloss – doch zur Wende reichte es aber nicht mehr.

SG BBM Bietigheim: Welz, Hacko; Haller (9), Rentschler (7), Kibat (7/3), Knierim, Heuberger (2), Schäfer (5), Coors (1), Blodig (3/1), Hinz, Freudl (1), Zieker (2) Schulz.


Bietigheimer Zeitung

Zürn-Team gelingt Sensation
Handball-Zweitligist SG BBM Bietigheim gewinnt in Minden mit 37:35
Zum Ausklang des achten Spieltags der Zweiten Handball-Bundesliga der Männer sorgte gestern die SG BBM Bietigheim mit dem 37:35-Sieg beim bisherigen Tabellenführer TSV Minden für eine kleine Sensation.

In vier Auswärtsspielen waren die Bietigheimer Zweitliga-Handballer in dieser Saison bislang leer ausgegangen. Im fünften Versuch klappte es, und das ausgerechnet beim bisherigen Spitzenreiter Minden, der bislang alle vier Heimspiele gewonnen hatte. Nach der gestrigen Niederlage mussten die Grün-Weißen die Spitzenposition abtreten.

"Es war ein sensationelles Spiel von uns. Wir haben geschlossen und wie aus einem Guss gespielt. Wir hatten eine unglaublich gute Verteidigung und eine hohe Angriffseffektivität sowie eine sehr gute Vorwärtsbewegung", kommentierte der Bietigheimer Trainer Jochen Zürn den Coup in Minden.

Zürn hatte seine Mannschaft nach eingehenden Analysen des Tabellenführers auf eine 3-2-1-Abwehrformation eingeschworen und ihr einige taktische Varianten und Tricks gegen den Mindener Innenblock mit aufs Feld gegeben. "Dadurch sind wir immer wieder über den Kreis und über die Halbpositionen zum Abschluss gekommen und hatten auch über außen einige gute Wurfaktionen", berichtete der Trainer.

Weil Fabian Bohnert aufgrund eines operativen Eingriffs nicht dabei war, kam der junge Patrick Rentschler sowohl am Kreis als auch in der Abwehr als Nebenmann von Christian Heuberger zu hohen Spielanteilen. Da Heuberger schon nach 20 Minuten mit zwei Zeitstrafen belastet war, übernahm Rentschler die "Kreisarbeit" nahezu allein. "Er hat exzellent gespielt, hinten mit Heuberger die Mitte zugemacht und vorne über den Kreis und auch aus der Distanz getroffen", lobte Zürn den siebenfachen Torschützen. Noch erfolgreicher war nur Robin Haller, der sich nach seiner Krankheit zurückgemeldet hat und auf Anhieb neunmal den Ball im Mindener Tor unterbrachte.

Nach einem Zusammenprall mit seinem Mitspieler Tim Coors erlitt der Bietigheimer Torhüter Milos Hacko in der 20. Minute eine Platzwunde am Kopf, die genäht werden musste. Für ihn stellte sich Pascal Welz ins Gehäuse und knüpfte an die guten Leistungen seines Vorgängers an, der zur zweiten Halbzeit wieder zur Verfügung stand. "Er hat unser Tor zugenagelt", erzählte der SG-Coach von einer vorzüglichen Leistung des angeschlagenen Routiniers.

Wie stark die Bietigheimer beim Tabellenführer auftraten, zeigen alleine schon die 20 Tore in der ersten Halbzeit. Dabei lagen sie in der Anfangsphase meist mit einem Treffer zurück. Die erste Führung gelang den Gästen beim 13:12 in der 20. Minute. Fünf Tore vorne lagen sie kurz vor Ablauf der ersten 30 Minuten. Seinen 20:17-Halbzeitvorsprung baute das Zürn-Team auf 23:17 aus und war beim 27:20 schon sieben Treffer vorne. In der Schlussphase holte der Favorit nochmals auf und sorgte mit 30:34 in der 55. Minute nochmals für Spannung unter den sieggewohnten Zuschauern. Mit seinem erfolgreichen Wurf zum 37:33 machte Haller 90 Sekunden vor Schluss den Sieg perfekt. Den können die Bietigheimer mit einem Heimsieg am Samstag gegen Eisenach so richtig wertvoll machen.

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