Eine gefühlte Niederlage

110910_sgbbm_duesseldorf.jpgWestdeutsche Zeitung

Eine gefühlte Niederlage

Der klassische Fehlstart ist abgewendet. Trotz dieser Tatsache trotteten die Zweitliga-Handballer der HSG Düsseldorf traurig aus der Bietigheimer Sporthalle am Viadukt. Denn wie schon vor einer Woche gegen Friesenheim wäre beim 19:19 (13:9) bei der SG BBM Bietigheim ohne Frage ein Zähler mehr drin gewesen.

Weil man in der zweiten Spielhälfte einer ohnehin torarmen Begegnung aber nur sechs Treffer zustande brachte und die entscheidende Phase in doppelter Unterzahl überstehen musste, jubelte aber am Ende wieder nur der Gegner.

Nach Anlaufschwierigkeiten dauerte es bis zur 16. Minute, ehe Alexander Auerbachs Treffer zum 7:6 eine Phase einläutete, in der die Gäste zum spielbestimmenden Team auf dem Feld wurden. Gestützt auf eine gut funktionierende Deckung und Torhüter Mathias Lenz, der an alter Wirkungsstätte zahlreiche Würfe entschärfen konnte, bauten die Düsseldorfer ihren Vorsprung bis zur Pause auf 13:9 aus. Was sich dann zu Beginn der zweiten 30 Minuten allerdings bei der HSG abspielte, könnte man getrost als kollektiven Offensiv-Blackout bezeichnen.

„Eigentlich waren wir richtig gut im Spiel“, sagte Trainer Ronny Rogawska. „Aber dann ging die Geduld im Spielaufbau verloren und wir haben unsere Spieler nicht mehr gut in Position gebracht. Deshalb konnten wir auch keine Gefahr mehr ausstrahlen.“ Ernir Arnarson wuchtete den Ball zwar noch zweimal in die Maschen, danach allerdings folgten zwölf Minuten Torflaute.

Die Konsequenz: Bietigheim drehte das beim 11:16 schon verloren geglaubte Spiel. Als die Chance zum Auswärtssieg kurz vor dem Ende trotzdem wieder da war, kassierte Arnarson eine Zwei-Minuten-Strafe und Michael Hegemann sah nach der dritten Strafe die rote Karte.


Ludwigsburger Kreiszeitung

Noch kein Sieg: SG setzt auf „Eichhörnchentaktik“

Bietigheim-Bissingen – Handball-Zweitbundesligist SG BBM Bietigheim muss weiter auf den ersten Sieg in der eingleisigen 2. Bundesliga warten. Bei der Heimpremiere gegen die HSG Düsseldorf reichte es nur zu einem 19:19 (9:13)-Unentschieden.
 Die SG BBM ist noch nicht so richtig in der neuen Liga angekommen. Vor allem der in der vergangenen Saison stärkste Angriff der 2. Liga Süd läuft noch nicht rund. „Unsere Angreifer haben Angst vor dem Abschluss“, kritisierte SG-Trainer Jochen Zürn die magere Ausbeute von nur 19 Treffern.
 Selbst aus einer neunmaligen Überzahlsituation konnte seine Mannschaft kein Kapital schlagen. Wie schon bei der Niederlage in Rostock wurden reihenweise freie Würfe vergeben, besonders die Linksaußen Christian Schäfer und Sebastian Knierim scheiterten in Serie an Ex-SG-Keeper Mathias Lenz im Düsseldorfer Kasten. Dass auch den Gästen nur 19 Treffer gelangen, lag an SG-Torsteher Milos Hacko, der mit 20 Paraden den stark haltenden Lenz noch übertraf.
 Die Gastgeber erwischten vor 900 Zuschauern den besseren Start und lagen beim 6:4 (10. Minute) erstmals mit zwei Toren in Front. Danach übernahmen die Gäste das Kommando und zogen bis zum Seitenwechsel auf 13:9 davon. In der 34. Minute (11:16) betrug der Vorsprung der Rheinländer bereits fünf Treffer, ehe die SG den Turbo zündete und durch Sebastian Knierim zum 16:16 (43.) Ausgleich kam.
 Die verbleibenden spannungsgeladenen 17 Minuten waren auf beiden Seiten geprägt von starken Abwehr- und überragenden Torhüterleistungen. Da gab es selbst für HSG-Torschützenkönig Alexander Auerbach (3 Treffer) und Robin Haller (2) aufseiten der SG kein Durchkommen. Als Pierre Freudl beim Stand von 18:19 (59.) Minute einen Siebenmeter verschoss, drohte den Ellentälern die zweite Niederlage. Ausgerechnet Youngster Patrick Zieker behielt 28 Sekunden vor Spielende die Nerven und sicherte mit seinem Treffer zum 19:19 Ausgleich das verdiente Unentschieden.
 SG-Coach Zürn blieb angesichts der noch ausstehenden 36 Spieltage ruhig und sprach nach Spielende von der „Eichhörnchentaktik, mit der wir Punkt um Punkt sammeln wollen“.

SG BBM Bietigheim: Hacko; Haller (2), Kibat (2), Knierim (4/1), Heuberger (1), Schäfer (2), Blodig (2), Hinz (1), Freudl (2/1), Zieker (2), Schulz (1), Bohnert, Rentschler.


Bietigheimer Zeitung

Gute Abwehr, schlechter Angriff
SG BBM muss bei der Zweitliga-Heimpremiere gegen Düsseldorf mit einem 19:19 zufrieden sein
Die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim haben sich bei ihrer Heimpremiere gegen Düsseldorf mit einem 19:19 begnügen müssen. Einer starken Abwehr mit einem glänzenden Milos Hacko im Tor stand ein schwacher Angriff gegenüber.

Es ist lange her, dass die SG BBM in einem Heimspiel unter der 20-Tore-Marke geblieben ist. In der gesamten vergangenen Saison ist den Bietigheimer Handballern dies nicht einmal passiert. Doch ausgerechnet bei der Heimpremiere in der eingleisigen Zweiten Bundesliga gegen die HSG Düsseldorf schwächelte die Offensive der Schwaben. Nach 60 umkämpften Minuten mussten die Gastgeber gar froh sein, nach einem 9:13-Rückstand zur Pause noch ein 19:19 und damit zumindest einen Zähler geholt zu haben. Für die SG war es nach dem Aus im DHB-Pokal in Leutershausen und der Auftaktpleite in Rostock das dritte Pflichtspiel ohne Sieg. "Mit einem Punkt aus zwei Partien ist noch nichts Dramatisches passiert. Wir wussten von Anfang an, dass es viele enge Spiele geben wird", sagte der Bietigheimer Trainer Jochen Zürn.

Bei seiner Mannschaft hatten sich gegen Düsseldorf Licht und Schatten abgewechselt. Positiv war die starke Abwehr, aus der der neue Stammkeeper Milos Hacko herausragte. Allein in der ersten Hälfte entschärfte der 37-jährige Slowake zwölf Bälle und hatte damit großen Anteil, dass die SG BBM zur Halbzeit nur mit vier Toren zurücklag. In Durchgang zwei kassierte Bietigheim gar nur sechs Gegentreffer - und das gegen Offensiv-Asse wie Ex-Nationalspieler Michael Hegemann, Maximilian Weiß und Alexander Auerbach, den Zweitliga-Torschützenkönig der Vorsaison.

Demgegenüber stand eine desolate Angriffsleistung: Der Rückraum der SG entwickelte kaum Durchschlagskraft. Insbesondere Robin Haller und Philipp Schulz hatten einen rabenschwarzen Tag erwischt und eine miese Trefferquote. Top-Torjäger Haller, Bietigheims seit Jahren bester Werfer, gelang sein erster Treffer erst in der 48. Minute. Neuzugang Fabian Bohnert fehlte bei seinem Kurzeinsatz die Bindung zum Spiel und zu den Teamkollegen und hatte einige unglückliche Aktionen. Und Sebastian Knierim und Christian Schäfer ließen im Abschluss die gewohnte Abgezocktheit vermissen: Die beiden Rechtsaußen scheiterten gerade in der zweiten Hälfte bei freien Würfen mehrfach am Ex-Bietigheimer Mathias Lenz im HSG-Tor. Auch das Überzahlspiel war schwach. Düsseldorf bestritt wegen der vielen Hinausstellungen fast ein Drittel der Spielzeit in Unterzahl, was die SG BBM allerdings nicht effektiv genug ausnutzte.

Nach einem konzentrierten Beginn und einer 6:4-Führung bis zur zehnten Minute ließen sich die Bietigheimer die Butter vom Brot nehmen, und die Rheinländer zogen vor allem dank Kreisläufer Weiß und Rückraum-Kanonier Julius Kühn bis zur Pause auf 13:9 davon. In der zweiten Hälfte zeigten die Hausherren Moral und Kampfgeist und starteten eine Aufholjagd. Knierim sorgte bereits in der 43. Minute für den Ausgleich zum 16:16, doch trotz bester Chancen und regelmäßiger Überzahl glückte der SG BBM bis zum Schluss keine Führung mehr. Stattdessen hechelte das Zürn-Team ständig einem Rückstand hinterher und hatte am Ende Glück, dass Youngster Patrick Zieker 28 Sekunden vor dem Abpfiff gegen vier Düsseldorfer Feldspieler in doppelter Überzahl wenigstens noch das 19:19 schaffte.

"Schade, dass wir so viele Bälle verschossen haben, sonst wäre es ein perfekter Einstand für mich geworden. Wenn man in einem Heimspiel nur 19 Tore macht, kann man aber nicht gewinnen", bilanzierte SG-Keeper Hacko, der bei seinem ersten Auftritt in der Viadukthalle prompt als Bietigheimer Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde. "Uns ist es nicht gelungen, ins Angriffsspiel zu kommen", monierte sein Coach Zürn und sprach von einer "mangelhaften Abschlusskonsequenz", "Angst der Rückraumspieler vor Entscheidungen" und "fehlendem Selbstvertrauen der Rechtsaußen". Vor allem an diesen Punkten will er in dieser Trainingswoche nun die Hebel ansetzen - damit es am nächsten Samstag beim ASV Hamm-Westfalen mit dem ersten Sieg in der neuen eingleisigen Zweiten Bundesliga klappt.

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