SG wirft ihre Tugenden über Bord

110319_sgbbm_neuhausen.jpgLudwigsburger Kreiszeitung

SG wirft ihre Tugenden über Bord

Ludwigsburg – Die Siegesserie der SG BBM Bietigheim ist gerissen. Nach 13:1 Punkten in Folge musste der Handball-Zweitbundesligist am Samstag in der Ludwigsburger Arena gegen TV 1893 Neuhausen nach einer desolaten Leistung in der 2. Halbzeit eine verdiente 26:31 (16:15)-Niederlage hinnehmen.
 
Der Einbruch kam nach dem Wechsel, den Hauptgrund für die verpatzte Vorstellung sah SG-Trainer Jochen Zürn jedoch im ersten Durchgang. „Da haben wir es versäumt, aus unserer Überlegenheit Kapital zu schlagen, wir haben unsere guten Möglichkeiten zu leichtfertig vergeben“, analysierte der Coach.

 In einem kampfbetonten Spiel fanden die Gastgeber vor 2313 Zuschauern zu keinem Zeitpunkt zu den Tugenden, die sie in der Vergangenheit bis an das Spitzentrio der Liga herangeführt hatten. Nur wenig war von der vielbeschworenen mannschaftlichen Geschlossenheit zu sehen. Zunächst ohne den wieder genesenen Kapitän Nico Kibat, aber mit Youngster Patrick Zieker auf der linken Außenposition taten sich die Bietigheimer im Württemberg-Derby schwer.
Nach dem 2:4-Rückstand lief das Team einem Rückstand hinterher und übernahm erst durch den Treffer von Sebastian Knierim zum 11:10 nach 22 Minuten erstmals die Führung. Nervosität, überhastete Aktionen und eine hohe Fehlerquote prägten weiter das SG-Spiel, Torwart Matthias Lenz, der mehrere Situationen und obendrein einen Siebenmeter inklusive Nachschuss reflexschnell entschärfte, war es zu verdanken, dass die Hausherren eine knappe 16:15-Führung mit in die Kabine nahmen.
Das aber war zu wenig, denn nach dem Wechsel brachte sich die SG selbst um den Lohn ihrer Mühen. Zweimal zwei Strafzeiten innerhalb von fünf Minuten gegen Christian Heuberger stärkten die Gäste, die nach dem 18:18 in einer nun zerfahrenen Partie zwischenzeitlich auf neun Tore (22:31) davonzogen.
Mit der aggressiven 3:1-Deckung, auf die Trainer Zürn sein Team nachdrücklich eingestellt hatte, kam der SG-Angriff überhaupt nicht zurecht. Zu häufig war für Haller, Blodig und Bühler, der mit sechs Treffern effektivster SG-Werfer war, am Kreis Endstation.
Auch die Umstellung der eigenen Abwehr auf 4:2 brachte nicht den gewünschten Erfolg. Die Gäste fanden mit einem überragenden Ralf Bader (6 Treffer) immer wieder die Lücke zum Tor. Fehlende Disziplin schwächte die Mannschaft in der Schlussphase zusätzlich. Nach der Disqualifikation von Heuberger und Fabian Gutbrod, die aneinander geraten waren (58.), reichte es nur noch zur Ergebniskosmetik.
„Es macht jetzt keinen Sinn, die Mannschaft zu zerreißen“, wollte Zürn keine Vorwürfe formulieren. Die bittere Niederlage wird intern noch für einigen Zündstoff sorgen.

SG BBM Bietigheim: Lenz, Krotz; Haller (3), Kibat (3/3), Knierim (2), Heuberger, Schäfer, Bühler (6), Blodig (2/1), Freudl (4), Zieker (1), Auer (3), Schulz (2).


Bietigheimer Zeitung

"Ein Warnschuss vor den Bug"
SG BBM Bietigheim verliert Arena-Spiel gegen Neuhausen 26:31 - Erste Pleite im neuen Jahr

Nun hat es auch die Handballer der SG BBM Bietigheim erwischt: Im Zweitliga-Derby gegen den TV Neuhausen kassierte das Team von Jochen Zürn beim 26:31 (16:15) die erste Niederlage im Jahr 2011.
Es gibt Tage, an denen sollte man als Sportler besser zu Hause bleiben. Die Handballer der SG BBM erwischten am Samstag im Heimspiel gegen Neuhausen so einen Tag. Nach einer guten ersten Halbzeit und einer Pausenführung lief bei den Bietigheimern in der Arena Ludwigsburg fast nichts mehr zusammen. Die Quittung: Der schwäbische Rivale servierte das Zürn-Team noch mit 31:26 ab. Für die SG BBM war es nach 13:1 Zählern in Folge die erste Pleite seit dem 29:32 gegen Bittenfeld am 17. Dezember 2010 in der Porsche-Arena. "Wir müssen die Niederlage akzeptieren. Sie war verdient. Das war ein Warnschuss vor den Bug", bilanzierte Trainer Jochen Zürn und übte Kritik an der Grundeinstellung seiner Spieler im zweiten Abschnitt: "Da haben wir zu früh die Köpfe hängen lassen und uns auf dem Feld gegenseitig angegiftet."

Dabei hatte das Verfolgerduell gegen den Tabellenfünften aus Neuhausen vor den 2313 Zuschauern vielversprechend begonnen. Die Hausherren machten einen 5:8-Rückstand (15.) nach einer Auszeit wett und warfen bis zum Seitenwechsel eine 16:15-Führung heraus. "Wir haben aus der ersten Halbzeit nicht genug Kapital geschlagen. Da hätten wir das eine oder andere Tor mehr machen können", monierte Zürn.

Dass der stärkste Angriff der Zweiten Liga nicht wie gewohnt auf Touren kam, hatte auch mit Milos Slaby zu tun. Der frühere tschechische Nationalkeeper des TVN war der überragende Mann auf dem Feld und brachte die Bietigheimer Offensivkräfte mit seinen Paraden fast zur Verzweiflung. Nach der Pause nahm das Unheil dann seinen Lauf. Bis zur 45. Minute gelangen der SG BBM nur zwei magere Treffer durch Robin Haller (32.) und Steffen Bühler (35.). Da Bietigheims Abwehr zudem zu unbeweglich und nicht energisch genug verteidigte, hatte Neuhausen nun leichtes Spiel. Die Gäste gingen mit 23:18 in Führung und gaben den Vorsprung fortan nicht mehr aus der Hand. Vielleicht hätte die SG BBM noch die Wende geschafft, wenn beim Stand von 21:26 Christian Heubergers Pass bei einem Tempogegenstoß angekommen wäre. Doch Tausendsassa Slaby war aus seinem Kasten geeilt, fing den Ball ab und leitete einen eigenen Tempogegenstoß ein, den Ralf Bader mit dem vorentscheidenden 27:21 krönte (52.).

Drei Minuten vor Schluss lag Bietigheim beim 22:31 sogar mit neun Toren hinten. Es drohte die höchste Saisonpleite. In den letzten 153 Sekunden betrieben die Hausherren aber noch Ergebniskosmetik und reduzierten den Rückstand mit vier Toren in Folge, so dass am Ende "nur" eine 26:31-Niederlage von der Anzeigetafel leuchtete. Die aufkommende Hektik in der Endphase gipfelte in den zwei Roten Karten für Heuberger und den gerade auf der Bank sitzenden Fabian Gutbrod. Beide hatten sich ein hitziges Wortgefecht geliefert und wären sich wohl am liebsten an die Gurgel gegangen, hätte man sie gelassen.

Während sich bei Neuhausen neben Slaby die sechsfachen Torschützen Marcel Schiller und Bader sowie Kreisläufer Julius Emrich Bestnoten verdienten, fiel bei der SG BBM nur der sechsmal erfolgreiche Steffen Bühler positiv auf. Auch Kapitän Nico Kibat konnte den Bietigheimern bei seinem Comeback noch nicht die nötigen Impulse geben. "Es war klar, dass irgendwann wieder eine Niederlage kommt. Ich werde der Mannschaft aber jetzt sicher nicht den Kopf herunterreißen, nur weil sie mal verloren hat", sagte Zürn.

Neuhausener Torwart-Auslaufmodell wird zum Matchwinner


Emotionales Auf und Ab Milos Slaby wusste nach dem Neuhausener Derbysieg nicht, ob er sich freuen oder traurig sein sollte. Der tschechische Torhüter in Diensten des TVN hatte mit einer bärenstarken Vorstellung einen großen Anteil am Auswärtscoup seines Teams in der Arena Ludwigsburg. Zum Glücksgefühl mischte sich aber auch etwas Wehmut. Am Dienstag zuvor hatte der Verein ihm mitgeteilt, dass er in der neuen Saison ohne ihn plane. "Damit muss ich leben. Ich bin deswegen nicht sauer, obwohl ich schon gerne weitergemacht hätte", erklärte Slaby, der seit der Saison 2009/2010 den Neuhausener Kasten hütet und zuvor fünf Jahre bei der HBW Balingen-Weilstetten aktiv war. Den 39-Jährigen zieht es nun wohl wieder in seine Heimat nach Tschechien: "Da will ich noch ein paar Jahre spielen." Seinen guten Auftritt gegen die SG BBM wollte Slaby nicht überbewerten. "Unsere Abwehr war super. Da tut man sich auch als Torwart leichter", sagte der Routinier. Lob gab es dafür vom Gegner. "Milos versteht sein Handwerk und ist einer der überragenden Torhüter in der Liga. Ich habe Hochachtung vor seiner Leistung, die er seit Jahren bringt", meinte der Bietigheimer Trainer Jochen Zürn.

Südwestpresse

Der TVN trumpft gegen die SG BBM Bietigheim mit einem 31:26 auf und macht einen Riesenschritt in Richtung "Eingleisige". Mehr als 300 Neuhäuser Fans feuern ihr begeisternd kämpfendes Team an.


"Hier regiert der TVN", tönt es nach 55 Spielminuten aus der Neuhäuser Kurve in der Arena Ludwigsburg. Der TVN führt mit 29:22 nach Toren von Julius Emrich und Marcel Schiller. Und als Christian Dürner und Jungspund Simon Oesterle wenige Augenblicke später noch zwei drauf setzen und den Sack per 31:22 endgültig zu machen, sind die mehr als 300 Neuhäuser Schlachtenbummler komplett aus dem Häuschen. Auch ihr Einsatz hat sich gelohnt. Von der ersten Minute an haben sie ihre Lieblinge in der prächtigen, aber mit nur gut 2300 Zuschauern eher spärlich besetzten Arena, euphorisch nach vorne getrieben, ihnen Heimspiel- und damit Wohlfühlatmosphäre bereitet.

"Gaugis Buben" hat das sichtlich gut getan, sie so beflügelt, dass sie eine ihrer besten Auswärtsleistungen der Saison boten. In der Neuhäuser Defensivabteilung wurde einmal mehr Beton angerührt und gleichzeitig nach vorne mit viel Tempo mächtig Druck auf die Abwehr der Gastgeber gemacht. Die rangieren auf Rang vier und gehören zum Kreise derer, die sich noch Hoffnung auf die Relegation für die erste Bundesliga machen können. Der TVN war gegen die ambitionierten Bietigheimer also nicht als Favorit in die Partie gegangen. Dafür aber mit einer bedingungslosen Entschlossenheit, das Schwaben-Duell erneut für sich zu entscheiden. Genau das wollte das Team von SG-Coach Jochen Zürn verhindern, sich für die knappe Hinspielniederlage (29:30) in Neuhausen revanchieren.

Dass die TVN-Akteure letztlich nach einem so klaren Sieg Freudentänze auf dem Ludwigsburger Parkett vollführen würden, damit hatte wahrlich niemand gerechnet. Verdient war der Sieg aber, das bestätigte auch Markus Gaugischs Trainerkollege Jochen Zürn, allemal. "Wir haben zu viele Fehler gemacht, waren gegen die 3:2:1-Abwehr der Neuhäuser zu passiv", analysierte er enttäuscht.

Zunächst hatte der Spielverlauf 40 Minuten lang auf einen Krimi hingedeutet. Der TVN begann keinesfalls zurückhaltend sondern legte mutig los, was sich in der 4:2-Führung (10.) widerspiegelte. Die machten die Hausherren aber ebenso wett (4:4/12.) wie jenen erneuten Ausreißversuch der Neuhäuser in er 20. Minute (10:8), als der sechsfache SG-Torschütze Steffen Bühler zum 10:10 ausglich (21.). Sebastian Knierim brachte die SG im Anschluss erstmals mit 11:10 in Führung, doch Ferdinand Michalik fand die passende Antwort. Ebenso wie Christian Dürner, Fabian Gutbrod und Marcel Schiller, die bis zum Seitenwechsel dafür sorgten, dass sich die Hausherren nicht wie im Vorjahr aus dem Staub machen konnten.

Apropos: Exakt auf den Tag genau vor einem Jahr war der TVN erstmals in der Ludwigsburger Arena zu Gast, hatte damals nach einem aufopferungsvollen Spiel aber gegen die cleveren Bietigheimer das Nachsehen. Das hatte man beim TVN noch im Hinterkopf.

"Dieses Mal wollten wir den Spieß umdrehen", verriet ein strahlender Ralf Bader nach dem Schlusspfiff. "Wir haben uns heute für unseren Kampf belohnt." Er selbst hat ganz entscheidend mitgedreht an besagtem Spieß. Der quirlige Linkshänder, der in dieser Saison immer wieder von Verletzungen ausgebremst worden war, riss seine Kameraden nach dem Seitenwechsel buchstäblich mit. Nur 24 Sekunden nach dem Wiederanpfiff schmetterte er das Spielobjekt in die Maschen hinter SG-Keeper Lenz, glich damit den 15:16-Pausenrückstand nicht nur aus, sondern erwies sich einmal mehr als der Turbo-Lader für den TVN-Motor.

Gemeinsam mit seinen Kameraden legte er jetzt los, als ging es darum, direkt aus der Ludwigsburger Arena in die eingleisige Liga durchzustarten. Fünf Minuten lang hielt die SG BBM Bietigheim dem Druck der Neuhäuser noch stand (18:18), dann aber scheiterten Pierre Freudl und Co. ein ums andere Mal an der TVN-Abwehr und auch der letzten Neuhäuser Instanz, Keeper Milos Slaby. Der behielt kühlen Kopf, entwertete einiges, was auf sein Gehäuse kam und fischte einen SG-Konter aus der Luft. "Das war eine Aktion, die Gold wert war", lobte Markus Gaugisch die Übersicht seines Schlussmanns. Zehn Minuten hatte er und seine Vorderleute den Bietigheimer Angreifern einen Riegel vorgeschoben und selber über ein 23:18 und besagtes 31:22 den Sieg perfekt gemacht. Die SG BBM Bietigheim konnte nur noch Ergebniskosmetik betreiben und zum 31:26 verkürzen. Mehr aber nicht.

So spielten sie

SG BBM Bietigheim: Lenz, Krotz (ab 40.) - Haller (3), Rentschler, Kibat (3/3), Knierim (2), Heuberger, Schäfer, Bühler (6), Blodig (2), Freudl (4), Zieker (1), Auer (3), Schulz (2).

TV Neuhausen: Slaby, Becker (bei 7m) - Emrich (3), Reusch (2), Trost (2), Schiller (6), Stevic (2/1), Oesterle (1), Michalik (3/1), Rose, Gutbrod (3), Klingler, Bader (6), Dürner (3).

Zeitstrafen: 5/6.

Disqualifikation: Christian Heuberger (58.), Fabian Gutbrod (58.).

Zuschauer: 2300.

Schiedsrichter: Christopher Biaesch/Frank Sattler.

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