"Der Spaß kommt nicht zu kurz"

schaefer_zieker.jpgStuttgarter Nachrichten

"Der Spaß kommt nicht zu kurz"

Die Kleinbottwarer Patrick Zieker und Christian Schäfer haben es mit dem Handball schon weit gebracht. Was noch alles kommen soll, erzählen die Sportler im Interview mit Daniel Kraft.
Die Gegenwart heißt zweite Liga. Aber wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Zieker: Erst mal möchte ich es schaffen, mich über gute Leistungen im Training in die Mannschaft zu spielen. Ich werde alles tun, um mich durchzusetzen und Einsatzzeiten zu bekommen. Auf lange Sicht ist mein Ziel natürlich, in der ersten Liga zu spielen und auch in der Nationalmannschaft weiterhin nominiert zu werden.

Schäfer: Ich hoffe natürlich, dass ich den Sprung in die erste Liga auch irgendwann noch schaffe. Die Zielsetzung mit Bietigheim kann nur sein, sich in der neuen zweiten Liga zu etablieren und so weit oben wie möglich mitzumischen.

Christian, was sagst du zu der gewaltigen Entwicklung von Patrick Zieker?

Schäfer: Patrick ist ganz einfach ein riesiges Talent. Das konnte man schon in der D-Jugend erkennen. In der C-Jugend war ich sogar mal zwei Jahre lang sein Trainer. Für sein Alter ist er wirklich ein sehr athletischer und technisch guter Spieler.

Welche Fähigkeiten zeichnen ihn aus?

Schäfer: Gerade wenn er auf links außen spielt, beweist er ein gutes Auge und versucht den Torwart auszugucken. Er hat auch schon viele Wurfvarianten drauf - natürlich noch lange nicht so viele wie ich (lacht). Jetzt, in der zweiten Liga, wird sich zeigen, zu was er imstande ist.

Patrick, wo siehst du selbst deine Stärken und Schwächen?

Zieker: Bei meinem Abwehrspiel muss ich sicherlich noch zulegen. Im Angriff kann ich dafür durch mein gutes Eins-zu-eins-Verhalten und meine Schnelligkeit Torgefahr ausstrahlen.

Schäfer: Halt! Wirklich schnell ist er ja nicht . . . (grinst)

Zieker: . . . bei den Sprints im Training reicht es gegen dich ja zum Glück trotzdem immer. (lacht)

Welches Ereignis würdet ihr bisher als euren sportlichen Höhepunkt bezeichnen?

Zieker: Das wäre für mich die Europameisterschaft mit der Jugend-Nationalmannschaft in diesem Jahr in Montenegro gewesen. Leider hat mich ein Meniskusriss gestoppt. Aber allein schon die Nominierung war was wirklich Besonderes. Aber auch die süddeutsche Meisterschaft mit der Bietigheimer B-Jugend war ein toller Erfolg.

Schäfer: Meine Einladung zur Jugend-Nationalmannschaft 2004 war natürlich der Hammer für mich. Die württembergische Meisterschaft mit der C-Jugend der damaligen JSG Bottwartal war auch klasse.

Christian, im Gegensatz zu Patrick konntest du dich bei der Jugend-Nationalmannschaft nicht nachhaltig durchsetzen. Warum?

Schäfer: Die Konkurrenz war damals einfach unheimlich stark. In meinem Jahrgang waren zu dieser Zeit drei weitere Linkshänder, die heute bei Topvereinen in der Bundesliga spielen: Kroetzki (Rhein-Neckar Löwen), Reichmann (THW Kiel) und Häffner (Göppingen). Ich selbst war damals schlicht und einfach noch nicht stark genug.

Patrick, mit deinen Brüdern Daniel und Yannick spielen noch zwei weitere Ziekers in Bietigheim. Gibt es in den kommenden Jahren das "Zieker-Trio" zu bestaunen?

Zieker: Die Schlagzeile "Zieker-Brüder schießen Bietigheim in die erste Liga" würde sich schon super anhören (lacht). Aber im Ernst: Daniel muss sich erst mal in der Württemberg-Liga beweisen. Yannick spielt in der C-Jugend und ist noch viel zu jung, um abschätzen zu können, wie er sich weiterentwickelt. Seine Position hat er im Tor aber definitiv gefunden. Er ist ein guter Torhüter. Ich selbst würde mich niemals ins Tor stellen.

Von der Zukunft zurück in die Vergangenheit: Was sagt ihr zum Absturz eures Heimatvereins HG Steinheim-Kleinbottwar, der ja von der Württemberg-Liga in die Bezirksliga abgerutscht ist?

Schäfer: Die zwei Abstiege in Folge haben mir wirklich sehr wehgetan. Ich habe immer noch ein sehr gutes Verhältnis zu meinen ehemaligen Mitspielern aus der ersten Mannschaft und habe dementsprechend mitgelitten. Ich wünsche ihnen sehr, dass es in dieser Saison mit dem sofortigen Wiederaufstieg in die Landesliga klappt.

Zieker: Auch ich bin noch sehr stark mit unserem Heimatverein verbunden. Ich bin mir sicher, dass sie den Aufstieg in die Landesliga schaffen werden.

Verfolgt ihr auch den restlichen Handball hier in der Gegend?

Schäfer: Bei den regionalen Vereinen tummeln sich ja etliche Freunde und Mitspieler aus meinen Jugendmannschaften. Über die Spiele der HG Steinheim-Kleinbottwar, der SG Bottwartal oder auch des SKV Oberstenfeld bin ich deshalb auch immer gut informiert. Mir ihre Spiele anzusehen, schaffe ich wegen unseren sich überschneidenden Spielzeiten aber fast nie.

Zieker: Mir geht es nicht anders. Ich versuche aber dennoch, so viele Spiele wie möglich anzuschauen.

Es heißt ja immer, dass besonders die Handballer sehr gerne und ausdauernd feiern. Ist das bei euch in der zweiten Liga auch so?

Schäfer: Es ist schon wichtig, dass man sich dem Trainings- und Spielplan anpasst. Am Abend vor einem Spiel sollte man besser nicht exzessiv feiern gehen. Der Spaß kommt bei uns aber definitiv nicht zu kurz.

Fällt es euch schwer, die Schule oder das Studium mit dem Handball unter einen Hut zu bekommen?

Schäfer: Also ich würde sagen, dass ich das eigentlich ganz gut gebacken bekomme. Wenn Prüfungen anstehen, ist es schon manchmal stressig. Aber da macht mir der Verein auch keinen Druck. Sollte ich vor einer Prüfung mal einen Abend trainingsfrei benötigen, würde ich den auch genehmigt bekommen.

Zieker: Seitdem ich auf der Sport-Eliteschule in Stuttgart bin, ist es einfacher geworden, die Schule und den Sport miteinander zu vereinbaren.

Apropos Sport: Ist euch auf dem Feld mal etwas Peinliches passiert?

Schäfer: Als ich in meiner ersten Zweitliga-Saison bei einem Auswärtsspiel zum Wurf abgesprungen bin, hat mich mein deutlich robusterer Gegenspieler unterlaufen und in der Luft aufgefangen. Das sah ein bisschen aus wie bei "Dirty Dancing".

Zieker: Ich habe beim Siebenmeter mal einen ziemlich schlechten Lupfer gemacht, den der Torwart dann locker gefangen hat. Da stand ich ganz schön blöd da.

Habt ihr vor oder während des Spiels irgendwelche Marotten?

Zieker: Ich habe mich bisher beim Warmlaufen vor den Spielen immer ganz links am Hallenrand warm gemacht. Da aber Robin Haller den gleichen Tick hat, ist der Platz schon belegt.

Schäfer: Ich trage immer das gleiche Parfüm und ein Schweißband, das ich von einem Freund geschenkt bekommen habe.

Für welchen Sport könnt ihr euch neben dem Handball noch begeistern?

Schäfer: Ich verfolge regelmäßig die Fußball-Bundesliga und bin ein großer Fan des FC Bayern München.

Zieker: Ich bin allgemein sehr sportinteressiert und schaue überall mal rein. Aber FC Bayern - nein danke.


ZUR PERSON

Patrick Zieker ist am 13.Dezember 1993 geboren und spielte bis zur B-Jugend für die HG Steinheim-Kleinbottwar. 2008 wechselte er zur SG BBM Bietigheim. Der 17-Jährige ist der jüngste Spieler der Zweiten Bundesliga.
Am 17. Dezember hat er beim Spiel gegen den TV Bittenfeld sein Debüt für die SG BBM Bietigheim gefeiert und gleich zwei Tore erzielt.
Als aktueller Junioren-Nationalspieler geht er auch für Deutschland auf Torejagd.


Christian Schäfer ist am 29. August 1988 geboren und durchlief die Jugendmannschaften der JSG Bottwartal und der HG Steinheim-Kleinbottwar. Nach dem Aufstieg in die Württemberg-Liga mit der HG Steinheim-Kleinbottwar wechselte er 2007 zur SG BBM Bietigheim.
Auf rechts außen ist er seitdem fester Bestandteil der Zweitliga-Mannschaft. Mit einem Schnitt von drei Treffern pro Partie spielt er bislang eine solide Saison.

Drucken