Bergischer HC holt Brechstange raus

101210_sgbbm_bhc.jpgLudwigsburger Kreiszeitung

Bergischer HC holt Brechstange raus

Ludwigsburg – In einer knüppelharten Partie musste sich Handball-Zweitbundesligist SG BBM Bietigheim gestern Abend dem Bergischen HC mit 32:35 (15:15) geschlagen geben. Dabei hatten die Schwaben im zweiten Durchgang lange Zeit geführt.

Nach einer 2:1-Führung liefen die Bietigheimer in der spärlich besetzten Arena Ludwigsburg über weite Strecken der ersten Halbzeit einem Rückstand hinterher. Die BHC-Schützen David Kristoffer Moen Kleven und Jens-Peter Reinarz brachten die SG-Deckung ins Schwitzen, beim 6:8 und 11:13 geriet man zweimal mit zwei Toren ins Hintertreffen.


Bietigheim blieb vor allem mit sicher verwandelten Strafwürfen dran, ie sich die überhart attackierenden BHC-ler einhandelten. Ein Bietigheimer Zwischenspurt brachte den Umschwung. Christoph Auer wühlte sich durch, Philipp Schulz machte es mit Fingerspitzengefühl und Sebastian Knieriem mit Übersicht – in der 26. Minute durfte die Truppe von Trainer Zürn ihre zweite Führung bejubeln.
Empfindlich traf die Gäste die Fußverletzung ihres Kreisläufers Henning Quade, der mit schmerzverzerrtem Gesicht das Feld verlassen musste. Aber entmutigen ließen sie sich dadurch nicht und erkämpften bis zur Pause das 15:15.
Die SG-Trommler spürten, dass ihre Roten an diesem Abend Rückenstärkung benötigten und intensivierten nach dem Wechsel ihre Bemühungen – ebenso wie die Akteure auf dem Feld. Torwart Mathias Lenz brillierte mit tollen Reaktionen, Matthias Hinz machte Dampf, jetzt kam Wirbelwind Andreas Blodig zum Zug. Mit seinem 25:22 und Nico Kibats 26:22 (44.) schien das Team auf die Siegerstraße einzubiegen – aber weit gefehlt. Mit unbändigem Kampfgeist hielten die Gäste dagegen, angeführt vom überragenden Alexander Oelze (7 Tore).
Es sollte sich rächen, dass Bietigheim allzu schnell sein Kapital wieder verspielte. Der Bergische HC holte die Brechstange heraus, es hagelte Zeitstrafen auf beiden Seiten. Bei 29:29 (54.) war der BHC wieder dran und besaß im Schlussspurt den längeren Atem.
SG BBM: Lenz; Haller (5), Kibat (7/4), Knierim (3), Heuberger (1), Schäfer, Bühler (3), Blodig (3), Hinz (5), (Freudl (3/3), Auer (1), Schulz (1).


Bietigheimer Zeitung

Nach Führung zu ungeduldig
Handball-Zweitligist SG BBM Bietigheim verliert gegen den Bergischen HC mit 32:35

Dramatisches Spiel, magere Kulisse und eine bittere Heimniederlage: Die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim haben gestern vor nur 1843 Zuschauern in der Arena Ludwigsburg mit 32:35 (15:15) verloren.

Dieser Händedruck fiel Jochen Zürn schwer. Nach den umkämpften 60 Minuten und der unglücklichen Heimpleite gab der Trainer der SG BBM den beiden Unparteiischen Bernd und Reiner Methe die Hand, quittierte die sportliche Geste aber mit einem fast nicht mehr enden wollenden Kopfschütteln.

Obwohl die Zwillinge in der Endphase mehrfach strittig gegen seine Schützlinge entschieden hatten und darum zu den Buhmännern des Publikums wurden, holte Zürn nicht zu einer Schiedsrichterschelte aus. "Das können wir nicht beeinflussen. Wir müssen an uns selbst arbeiten, zum Beispiel an der Routine und der Abgezocktheit", sagte der Coach. Vor allem das Verhalten seiner Mannschaft nach der 26:22-Führung (44.) war ihm ein Dorn im Auge: "Da haben wir zu ungeduldig gespielt und zu früh abgeschlossen. Auch in der Abwehr hat die Konsequenz gefehlt."

Schon in der ersten Hälfte hatten die Bietigheimer nicht zu ihrem gewohnten Tempohandball gefunden. Vor den nur 1843 Zuschauern in der Arena waren gestern aber ohnehin andere Qualitäten gefragt als handballerische Finessen, nämlich Kampfgeist, Leidenschaft und Einsatz - und diese Tugenden zeigte sowohl die SG BBM als auch der robust auftretende Gast aus dem Bergischen Land.

Keine Mannschaft konnte sich bis zur Pause absetzen. Ein zweimaliger Zwei-Tore-Vorsprung für den BHC beim 6:8 und 11:13 war das Höchste der Gefühle. Vier verwandelte Siebenmeter, ein gut aufgelegter Sebastian Knierim auf dem rechten Flügel und der exzellent haltende Mathias Lenz im Tor waren die Garanten dafür, dass die Bietigheimer zumindest mit einem 15:15 in die Halbzeitpause gingen. Bitter für die NRWler war zudem die Verletzung von Henning Quade, der nach einem Pass seines Torhüters Jan Stochl in der 28. Minute umknickte und vom Feld musste.

Nach dem Seitenwechsel änderte Bietigheim die Taktik - und hatte zunächst damit Erfolg. Zürn probierte es mit einer 5:1-Deckung und zog Mathias Hinz vor. Robin Haller, der in Hälfte eins noch wenige Spielanteile gehabt hatte, sorgte für mehr Gefahr aus dem Rückraum. Der neu in die Partie gekommene Andreas Blodig war für mehr Spielkultur zuständig, und auf rechts löste Christian Schäfer etwas überraschend Knierim ab. So sprang bis zur 44. Minute eine 26:22-Führung heraus, und an der entspannten Sitzposition von Gästecoach Hans-Dieter Schmitz war abzulesen, dass er die Partie eigentlich schon abgeschrieben hatte.

Doch seine Mannen belehrten ihn eines Besseren, kämpften sich wieder heran und gingen in der 55. Minute beim Stand von 29:30 erstmals wieder in Führung. Hinz gelang mit einem kuriosen Treffer ins leere Gehäuse - BHC-Keeper Stochl hatte beim Herauslaufen danebengegriffen - der prompte Ausgleich. Bei der Aktion zog sich der Flügelspieler allerdings eine Sehnenverletzung zu und musste in der Kabine behandelt werden.

In den letzten drei Minuten hatten die Bergischen dann mehr zuzulegen. Zu der Stärke der "Löwen", die vor allem aus dem Rückraum mehr Durchschlagskraft enfalteten, gesellten sich noch einige umstrittene Schiedsrichterentscheidungen und Bietigheimer Schludrigkeiten. Als Christian Hoße zwölf Sekunden vor Schluss das 32:34 gelang, war die Partie endgültig zu Gunsten der Gäste entschieden.

"Wir hatten heute mehr verdient, aber ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat einem Großen in der Liga einen großen Kampf geliefert", bilanzierte Zürn die Partie und richtete den Blick schon wieder nach vorne: "Jetzt müssen wir weiter konzentriert und hart arbeiten, damit wir nächste Woche auch gegen den TV Bittenfeld bestehen."


RP online

Fehler nicht erlaubt

Gestern Abend setzte der Bergische HC in der Arena Ludwigsburg seine Erfolgsserie fort. Der 35:32 (15:15)-Erfolg gegen die SG Bietigheim war der fünfte Sieg in Serie. Beeindruckend spielte sich der Handball-Zweitligist aus einer kleinen Krise und machte einen Vier-Tore-Rückstand wett.

Selten hat sich Ha De Schmitz in dieser Saison derart konsequent bei personellen Entscheidungen gezeigt. Beim ersten Fehler drückte der Coach des Bergischen HC noch ein Auge zu und motivierte seine Spieler, es beim nächsten Versuch besser zu machen. Nach dem zweiten Patzer aber bat Schmitz sogleich auf die Bank.

Der Erste, der gestern Abend vom Feld der Arena Ludwigsburg geholt wurde, war Simon Kluge. In den neun Anfangsminuten war der Rechtsaußen des Handball-Zweitligisten bei Tempogegenstößen zweimal an Mathias Lenz gescheitert. Vier Minuten später vergab Jiri Vitek frei vor dem Schlussmann der SG Bietigheim und machte umgehend Platz für Runar Karason. Als Jan Behr für Kenneth Klev nach dessen zweitem Fehlwurf eingewechselt wurde (20.), hatte Ha De Schmitz mit Ausnahme von Linksaußen Jens Reinarz und Keeper Jan Stochl einmal komplett seine Startsieben umgekrempelt. Als Jan Behr und Runar Karason in Unterzahl die erste Zwei-Tore-Führung herausgeworfen hatten (23. / 12:10), schien Ha De Schmitz Rechnung aufgegangen zu sein.

Mit einer taktischen Veränderung aber nahm Jochen Zürn den gerade aufgekommenen Schwung aus dem BHC-Angriffsspiel. Mathias Hinz störte auf der Spitze den Spielaufbau – und nach zwei Ballverlusten sowie zwei schnellen Gegentoren reagierte Ha De Schmitz ebenso prompt wie bei seinen Wechseln. Umgehend folgte die Auszeit, die verhinderte, dass die Bietigheimer vor der Pause einen Lauf bekommen sollten.

Schwächen in der Abwehr

In Schwung kamen die für ihr Tempospiel gefürchteten Schwaben nach der ausgeglichenen und von zwei guten Torhütern geprägten ersten Halbzeit, als zum einen Mathias Lenz erneut mehrfach erfolgreich BHC-Versuche abwehrte, zum anderen aber auch die Bergischen in der Abwehr die Konsequenz vermissen ließen. Als Nico Kibat das 26:22 (44.) per Siebenmeter herausgeworfen hatte, wirkten die Löwen angeschlagen.

Seit der Niederlage gegen Korschenbroich aber hat die Mannschaft einen Wandel vollzogen. Gegenseitig motivierten sich Kristoffer Moen, Jens Reinarz und Co. aus der kleinen Krise wieder heraus. Kein Ball wurde verloren gegeben, was alleine fünf Nachwurf-Treffer nach Abprallern beweisen. Einen der wichtigsten versenkte Kristoffer Moen zum 24:26 (46.). Alexander Oelze legte sogleich zum 25:26 nach – der Bergische HC war wieder im Spiel.

In der spannenden Schlussphase waren die Bergischen einfach cleverer. Ab dem 30:29 (55.) durch den erstmals nach seiner Verletzungspause befreit aufspielenden Runar Karason legten die Gäste immer einen Treffer vor. Als Jan Stochl einen überhasteten Versuch von Nico Kibat mit dem Fuß abwehrte, war an dem fünften BHC-Sieg in Folge nicht mehr zu rütteln. Christian Hoße setzte die Schlusspunkte zum 35:32-Endstand.

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