SG tapfer bis zur letzten Sekunde

Bietigheimer Zeitung

Bietigheim bietet Paroli
Erstligist TuS N-Lübbecke setzt sich im DHB-Pokal nach Verlängerung durch
Sensation knapp verpasst: Die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim haben gestern in der dritten Runde des DHB-Pokals gegen Bundesligist TuS Nettelstedt-Lübbecke mit 30:31 nach Verlängerung verloren.

Das Ende war bitter: Nach einem heroischen Kampf mussten sich die Bietigheimer dem Erstligisten aus Nettelstedt-Lübbecke in der Verlängerung geschlagen werden. Ein Weiterkommen hätte der Underdog gestern zweifellos verdient gehabt. "Es ist ein Riesenerfolg, so ein Spiel abgeliefert zu haben, gerade bei unserer aktuellen personellen Situation", sagte Trainer Jochen Zürn.

Die ersten Hiobsbotschaften hatte es für die SG BBM bereits vor dem Pokalduell gegeben: Spielmacher Nico Kibat zwang eine Blessur am Sprunggelenk zum Zuschauen; Rechtsaußen Christian Schäfer fiel mit Knieproblemen aus. Beide sollen aber am nächsten Samstag im Zweitliga-Spiel beim TV Groß-Umstadt bereits wieder auflaufen. Da auch Linksaußen Matthias Hinz noch verletzt ist, war gegen Nettelstedt-Lübbecke das Improvisationstalent von Zürn gefragt. Regie führte Andreas Blodig, auf der linken Außenbahn fing Nachwuchskraft Zluhan an, als Rechtsaußen versuchte sich zeitweise Christoph Auer - und alle drei erledigten ihre Sache wie auch der Rest des Teams ausgezeichnet. Zluhan glänzte gar als vierfacher Torschütze.

Trotz der personellen Handicaps der Bietigheimer war in den 60 Minuten von einem Klassenunterschied nichts zu sehen. Die Gastgeber boten dem aktuellen Fünfzehnten der Bundesliga vor den 550 Zuschauern kräftig Paroli. Die international erfahrenen Lübbecker, die bereits am Montag angereist waren und am Dienstagvormittag in der Viadukthalle ein Abschlusstraining absolviert hatten, taten sich gegen die aggressiv zupackende Deckung der SG BBM reichlich schwer. Für einen Erstligisten zeigten die Ostwestfalen erstaunlich viele Ballverluste und Abspielfehler und ein enttäuschendes Offensivspiel. Der verkorkste Saisonstart hatte beim TuS offensichtlich am Selbstvertrauen genagt. Kaum zu glauben, dass sich diese Mannschaft in der Vorsaison noch für das Final-Four-Turnier qualifiziert hatte.

Die Bietigheimer witterten angesichts des wenig souveränen Gegners ihre Chance und bissen sich ins Spiel hinein. Vor allem der wurfgewaltige Philipp Schulz, Pierre Freudl und Robin Haller, der bis zur Pause viermal erfolgreich war, entpuppten sich im ersten Durchgang als Aktivposten. Bis zur zwölften Minute warfen die Hausherren eine 5:3-Führung heraus. Fortan gelang es keiner Mannschaft, sich abzusetzen. Mehr als einen Zwei-Tore-Vorsprung beim 9:11 und 10:12 brachten die Lübbecker nicht zustande. Andreas Blodig sorgte in der 29. Minute für den 14:14-Pausenstand.

Im zerfahrenen zweiten Abschnitt hatten die Ostwestfalen bis zur Hinausstellung ihres Abwehrchefs Artur Siodmiak (44.) leichte Vorteile und führten nach 43 Minuten mit 17:19. Doch die SG BBM, bei der nach der Pause Mathias Lenz seinen Kollegen Benjamin Krotz im Tor abgelöst hatte, wehrten sich tapfer. Haller brachte Bietigheim zum ersten Mal seit der Anfangsphase wieder in Führung (50.). Nachdem Blodig in der 25. Minute zum 25:22 getroffen hatte, schien die Überraschung zum Greifen nah. Kaum einen Zuschauer hielt es jetzt noch auf dem Sitz. Der Favorit wankte, aber er fiel nicht: In den letzten drei Minuten glichen die Lübbecker noch zum 25:25 und retteten sich so in die Verlängerung.

Dort hatte das Team von Trainer Patrik Liljestrand den längeren Atem und das Glück auf seiner Seite. 28:28 stand es nach dem ersten Durchgang der Verlängerung. Nach dem erneuten Seitenwechsel setzte sich der Gast, der insgesamt zehn Siebenmeter zugesprochen bekam, vorentscheidend auf 31:29 ab (69.). Hallers Anschlusstreffer zum 30:31 19 Sekunden vor dem Ende kam zu spät. In der hektischen Schlussphase sah mit Arne Niemeyer noch ein zweiter Lübbecker Akteur Rot, was bezeichnend war für die schwache Vorstellung des Bundesliga-Clubs. Dagegen überwog im Lager der SG BBM nicht die Enttäuschung über das unglückliche Aus, sondern der Stolz. "Die Halle hat ein Riesenspiel von uns gesehen. Wir haben einem etablierten Erstligisten getrotzt und waren auf einer Ebene mit ihm", meinte Zürn.


Ludwigsburger Kreiszeitung

SG tapfer bis zur letzten Sekunde
Bietigheim-Bissingen – Die SG BBM Bietigheim ist im DHB-Pokalwettbewerb knapp an einer Riesenüberraschung vorbeigeschrammt. Der Zweitbundesligist zwang den Erstligisten TuS Nettelstedt-Lübbecke gestern Abend in die Verlängerung – und unterlag knapp mit 30:31.

Nach regulärer Spielzeit stand es noch 25:25 (14:14), ein Ergebnis, mit dem im Vorfeld niemand hatte rechnen können. Die Personalsituation bei der SG BBM hatte sich nicht verändert, neben dem langzeitverletzten Christian Heuberger fiel auch Matthias Hinz weiter aus. Kurzfristig mussten zudem SG-Kapitän Nico Kibat als auch der zuletzt überragende Rechtsaußen Christian Schäfer verletzungsbedingt passen. Dafür kehrte Sebastian Knierim zurück ins Team, auch Christoph Auer, Patrick Rentschler und Christian Zluhan waren dabei.
Die Hausherren gingen vor der mageren Kulisse von 550 Zuschauern in der Viadukthalle voller Selbstbewusstsein und Einsatzfreude in die Partie, die Trainer Jochen Zürn als ein „Sahnehäubchen“ bezeichnet hatte. Robin Haller und Philipp Schulz waren im Angriff kaum zu bremsen. Die auf der ganzen Linie enttäuschenden Nettelstedter durften sich bei ihrem Torwart Milos Putera bedanken, dass sie nicht hoffnungslos in Rückstand gerieten.
Nach einer 4:3-Führung der Bietigheimer (10.) ging es über 9:9 (20.) beim Stand von 14:14 in die Halbzeitpause. Zu diesem Zeitpunkt hatte Haller den Ball bereits viermal im Tor des Erstligisten versenkt, Schulz war dreimal erfolgreich.
Von Spielkultur des mit internationalen Stars gespickten TuS Nettelstedt-Lübbecke war auch im zweiten Durchgang wenig zu sehen. Im Gegenteil: Bietigheim hielt munter dagegen und hätte den Sieg verdient gehabt. Ausgerechhnet Haller vergab beim Stand von 25:23 zweimal, Nettelstedt gelang noch der Augleich.
Selbst in der Verlängerung hatte die SG zahlreiche Möglichkeiten, die Partie für sich zu entscheiden, Bühler gelang nochmals der Ausgleich zum 29:29. „Jeder einzelne hat bis zur letzten Sekunde aufopferungsvoll gekämpft. Wir haben uns super präsentiert “, lobte Trainer Zürn.
SG BBM: Krotz, Lenz; Haller (7), Rentschler (1), Knierim (2), Bühler (1), Blodig (5), Freudl (7), Auer, Schulz (3), Zluhan (4).

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