Zaubertor und Kullerball bringen TVB den Sieg

sgbbm_bittenfeld2.jpgLudwigsburger Kreiszeitung

Handballer begeistert von der neuen Arena


Seit vergangenen Freitag schwärmen auch die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim und deren Anhang von der tollen Atmosphäre in der neuen Arena Ludwigsburg. Als Spielverderber für einen aus Bietigheimer Sicht ansonsten perfekten Abend erwies sich der TV Bittenfeld, der im heiß umkämpften Derby knapp mit 30:29 die Oberhand behielt.

Nach Basketball, Tischtennis, Tanzen und Boxen eroberte jetzt auch der Handballsport die attraktive Austragungsstätte. Die Rahmenbedingungen bei der Premiere am Freitag hätten nicht besser sein können.
Zum Zweitliga-Derby zwischen den Erzrivalen SG BBM Bietigheim und TV Bittenfeld waren knapp 4000 Zuschauer gekommen die von einem bis zur letzten Minute spannenden Spiel ebenso beigeistert waren wie die Spieler beider Teams. So schwärmte SG-Linksaußen Mathias Hinz: „Da bekommst du schon beim Einlaufen eine Gänsehaut.“
Der überragende Torhüter Mathias Lenz legte nach: „Diese Stimmung kann man nicht in Worte fassen, einfach toll.“ Verantwortlich für diese Superstimmung waren nicht nur die SG-Fans. Auch die Anhänger des TV Bittenfeld präsentierten sich lautstark und feuerten ihr Team pausenlos an.
Während den SG-Spielern bei einigen Aktionen die Nervosität aufgrund der großen Kulisse deutlich anzumerken war, profitierten die Gäste von ihrer größeren Erfahrung. Sie sind es durch die Spiele in der Stuttgarter Porsche-Arena gewohnt, vor 6000 Zuschauern zu spielen.
Dennoch wackelte der TVB bedenklich, als in der 57. Minute SG-Kapitän Nico Kibat per Siebenmeter den Ausgleich zum 28:28 erzielte. Plötzlich stand die Arena Kopf und die Bietigheimer dicht vor einem möglichen Sieg.
Individuelle SG-Fehler und zwei blitzsaubere Tore der Gäste beendeten die Träume. Trotz der Niederlage war der neue SG-Trainer Jochen Zürn, der vergangene Woche das Zepter für den entlassenen Uwe Rahn übernommen hatte, nicht unzufrieden: „Die Mannschaft hat eine tolle Moral bewiesen und bis zum Schluss aufopferungsvoll gekämpft. Darauf können wir aufbauen.“


Waiblinger Kreiszeitung

Zaubertor und Kullerball bringen TVB den Sieg

Nicht nur in den kuriosen letzten fünf Minuten im Derby der 2. Handball-Bundesliga sind die 3850 Zuschauer in der Arena Ludwigsburg auf ihre Kosten gekommen. Der TV Bittenfeld siegte im erwartet kampfbetonten Spiel glücklich mit 30:29 (19:16) gegen die SG BBM Bietigheim. Ein Kullertor von Dominik Weiß entschied das Spiel.
Größer hätten die Gegensätze in der Arena nach dem Schlusspfiff kaum sein können: Während die Bittenfelder Spieler wie von der Tarantel gestochen in den TVB-Block rannten und sich von ihren Fans minutenlang feiern ließen, schlichen die Bietigheimer bedröppelt vom Platz. Trotz einer starken kämpferischen Leistung kassierten sie ihre vierte Niederlage in Folge, der TVB holte sich den dritten Auswärtssieg.

„Wir haben es nicht geschafft, den Ausgleich zu erzielen – warum auch immer“, sagte SG-Trainer Jochen Zürn, seit der Entlassung von Uwe Rahn am Dienstag verantwortlich, in Anspielung auf die Leistung der Unparteiischen. Mit der Regelauslegung von Dirk Schmitt/Frank Kuntz (Kleinblittersdorf) waren die Bietigheimer überhaupt nicht zufrieden. Doch zumindest in den letzten fünf Minuten, als das Derby entschieden wurde, spielten Schmitt/Kuntz keine große Rolle. Da agierten die Bittenfelder schlichtweg abgezockter, nutzten die Fehler des Gegners gnadenlos aus und hatten auch ein wenig Dusel.

Torhüterwechsel brachte Bietigheim zurück
Tor- und temporeich und ausgeglichen startete das Derby vor einer prächtigen Kulisse. Nach zwölf Minuten schaffte der TV Bittenfeld durch die starken Simon Baumgarten, Jens Baumbach und Marco Hauk beim 9:6 die erste Drei-Tore-Führung. Höchste Zeit für SG-Trainer Jochen Zürn, den Torhüter zu wechseln. Bis dahin hatte der TVB auf dieser Position mit dem guten Daniel Sdunek deutliche Vorteile. Mathias Lenz kam für Benjamin Krotz, der keine Hand an die Würfe seiner ehemaligen Bittenfelder Mitspieler brachte.

Es war eine weise Entscheidung von Zürn, wie sich noch herausstellen sollte. Zunächst indes änderte sich nichts am Spielverlauf. Die Bittenfelder lagen stets mit zwei oder drei Toren vorne. Vor allem der Bietigheimer Rückraum kam selten zum erfolgreichen Abschluss – egal, ob Robin Haller, Nico Kibat, Andreas Blodig, Pierre Freudl, Christoph Auer oder Philipp Schulz auf dem Feld standen. Gefährlich wurde die SG meist, wenn sie mit Tempo über die flinken Außen Mathias Hinz und Sebastian Knierim kam. Vom Kreis indes kam so gut wie gar nichts, hier hatte der TVB mit Baumgarten ein deutliches Plus. Nach 25 Minuten (14:16) wurde es hektisch auf und neben dem Feld. Der Bietigheimer Christian Heuberger streckte Sebastian Seitner nieder. Für Jürgen Schweikardt war die Zwei-Minuten-Strafe offensichtlich zu milde. Er beschwerte sich lautstark bei den Schiedsrichtern und musste von seinen Mitspielern beruhigt werden. Es war jedoch die einzige Szene, in der die Bittenfelder die Ruhe verloren. Nach drei Toren in Folge führte der TV Bittenfeld mit 19:14 (29.). Einige Konzentrationsfehler kosteten ihn eine höhere Pausenführung (19:16).

Lief’s bei den Bittenfeldern im Angriff in den ersten 30 Minuten ordentlich, ging nach der Halbzeit plötzlich fast gar nichts mehr aus dem gebundenen Spiel. Die Bietigheimer 6:0-Deckung stand kompakter, der TVB suchte vergeblich eine Lücke. Vor allem der linke Rückraum mit Dominik Weiß oder Adrian Wehner fand nicht ins Spiel. Kam doch einmal ein Wurf aufs Tor, war Mathias Lenz zur Stelle. Der Bietigheimer Torhüter wurde von Minute zu Minute stärker. In 18 Minuten brachten die Bittenfelder gerade einmal vier Tore zustande und hatten Glück, dass auch Bietigheim immer wieder leichte Fehler unterliefen.

Beim 22:23 (48.) war die SG wieder im Spiel. Dann scheiterte Alexander Heib, der zuvor vier Siebenmeter sicher verwandelt hatte, im fünften Versuch an Lenz und vergab die Drei-Tore-Führung (51.). Bietigheim kam mehrmals auf einen Treffer heran, verlor aber Steffen Bühler (53.) nach der dritten Zeitstrafe.

Hochspannend und kurios verliefen die letzten fünf Minuten. In Unterzahl erzielte Auer den Abschluss zum 27:28. Florian Schöbinger scheiterte frei an Lenz und Schweikardt mit einem Siebenmeter am SG-Keeper. Als Simon Baumgarten unglücklich seine zweite Zeitstrafe kassierte, war’s passiert: Kibat erzielte per Siebenmeter beim 28:28 den ersten Ausgleich seit dem 6:6.

Die Fans tobten – der TVB schlug kühl zurück. Schöbingers optimistischer Hüftwurf schlug zum 28:29 ein, im Gegenzug stand der Bietigheimer Rechtsaußen beim vermeintlichen Ausgleich im Kreis. Kurz darauf flutschte Lenz’ Abwurf dem Bietigheimer Jochen Bauer durch die Hände ins Aus. Eine Minute vor Schluss wurde Lenz endgültig zur tragischen Figur: Einen eigentlich harmlosen Aufsetzer von Weiß zum 28:30 ließ er passieren. Das 29:30 von Knierim kam zu spät.

Der Rest waren ein Häufchen Elend auf der einen und grenzenloser Jubel auf der anderen Seite.

SG BBM Bietigheim: Krotz, Lenz; Haller (3), Kibat (6/3), Knierim (4), Heuberger, Schäfer, Bühler (19, Bauer (1), Blodig, Hinz (3), Freudl (3), Auer (6), Schulz (2).

TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann; Seitner (5), Schöbinger (1), Weiß (3), Baumbach (4), Lenz (2), Schweikardt (1), Heib (5/4), Baumgarten (5), Wehner, Hauk (4), Rothe, Drobek.


Die einen feiern, die anderen pfeifen

Die Augen der Fans waren im Derby vor allem auf drei Spieler gerichtet: Pierre Freudl, Benjamin Krotz und Patrick Rothe trugen sowohl das Trikot des SG BBM Bietigheim als auch das des TV Bittenfeld. Nach dem Spiel hatte – wenn überhaupt – nur Rothe Grund zur Freude.
15 Minuten waren in der Arena Ludwigsburg gespielt, als der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt zum ersten Mal Patrick Rothe aufs Spielfeld schickte. Von der Idee, Sebastian Seitner im rechten Rückraum zu entlasten, nahm der Coach allerdings rasch Abstand: Die Bietigheimer Fans quittierten jede Ballberührung Rothes mit einem gellenden Pfeifkonzert. Das wollte Schweikardt Rothe offensichtlich ersparen und nahm ihn wieder vom Feld. Klar, dass Rothe nach dem Spiel trotz des Sieges ein bisschen enttäuscht war. Auch wenn er es sich nicht anmerken ließ und sicherlich gerne mehr gezeigt hätte. „Ich habe zur Mannschaft ein gutes Verhältnis, zu den Zuschauern sage ich nichts“, sagte er nach dem Spiel.

Pierre Freudl fehlten kurz nach dem so unglücklich verlorenen Derby der SG BBM komplett die Worte. Drei Tore, zwei Zeitstrafen und das eine oder andere Scharmützelchen mit den Gegenspielern waren nicht das, was sich Freudl versprochen hatte.

Die Torhüter, so war sich der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt vor dem Derby sicher, werden eine entscheidende Rolle spielen. Das taten sie auch. Indes: Einen eindeutigen Sieger gab’s nicht. Der überragende Bietigheimer Mathias Lenz hatte am Ende vielleicht knapp die Nase vor, doch auch Daniel Sdunek im Bittenfelder Tor zeigte eine starke Leistung. Die beiden anderen Keeper traten aus unterschiedlichen Gründen kaum in Erscheinung. Der Ex-Bittenfelder Benjamin Krotz, eigentlich die Nummer eins bei der SG, spielte nur zwölf Minuten und machte eine unglückliche Figur. Bastian Rutschmanns Comeback beim TVB nach seiner fünfwöchigen Verletzungspause dauerte nur sechs Minuten. Ihm war die fehlende Spielpraxis – logischerweise – deutlich anzumerken.

Zu Gast in der Arena war Sven Scheerschmidt. Der Co-Trainer des VfL Waiblingen drückte seinen ehemaligen Mannschaftskameraden bei der SG BBM die Daumen. Mit acht von ihnen spielte Scheerschmidt in der vergangenen Saison noch zusammen. Die Erinnerungen an das Spiel gegen Bittenfeld sind jedoch nicht allzu gut. Nach 26 Minuten sah der Kreisläufer und Abwehrspezialist die Rote Karte. Und das Ergebnis war ähnlich unglücklich: Die SG unterlag mit 27:28.

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