SG verschenkt das Spiel leichtfertig

sgbbm_bhc.jpgBietigheimer Zeitung

Klarer Vorsprung schnell weg
Handball-Zweitligist SG BBM Bietigheim verliert gegen Bergischen HC 27:30

Eine Halbzeit lang spielte Handbal-Zweitligist SG BBM Bietigheim vor 950 Zuschauern ganz groß auf und führte gegen den Bergischen HC nach 30 Minuten mit 17:11. Am Ende verlor die SG mit 27:30.

ZUR BILDERGALERIE


Am Ende hatte sogar das Schiedsrichterduo Hartmut Gentes und Martin Franz, das sich in der Schlussphase mit strittigen Entscheidungen pro Bergischer HC den Unmut der Bietigheimer zugezogen hatte, Mitleid mit den Gastgebern und entschieden nach einem Siebenmeter von Nico Kibat auf Tor, obwohl der Ball von der Lattenunterkante nicht hinter die Torlinie geprallt war. Damit fiel das Ergebnis wenigstens noch etwas erträglicher aus für die in der ersten Halbzeit sehr stark spielenden Bietigheimer. Der Sechs-Tore-Vorsprung zur Pause war das Ergebnis einer engagierten, entschlossenen Mannschaftsleistung.

Trainer Uwe Rahn hatte seine Mannschaft exzellent eingestellt. Die Abwehr spielte derart konsequent, dass dem viel gerühmten Rückraum der Gäste wenig einfiel. Sie versuchten, die Situationen über den Kreis aufzulösen, doch da gab es kaum ein Durchkommen. Aus dem Rückraum des BHC kamen wenig Ideen und kaum gefährliche Würfe. Überragend hinter der stabilen Abwehr präsentierte sich zudem Torhüter Mathias Lenz. Im Angriff agierte die SG konzentriert und effektiv, kam zu Toren nach Tempogegenstößen oder nach energischem Einsatz am Kreis.

Die Herrlichkeit hielt aber nur 30 Minuten. In der zweiten Halbzeit legten die Gäste ihr lethargisches Auftreten ab, zogen das Tempo an und gaben Gas. Da war kein langatmiges Aufbauspiel mehr, sondern direkter Zug zum Tor. Vor allem Kenneth Klev und Sebastian Hinze waren nicht mehr zu stoppen. Ein Glücksgriff von BHC-Trainer Crischa Hannawald war die Einwechslung von Jens-Peter Reinarz, der über links mächtig für Wirbel sorgte. Auch die Kreisanspiele funktionierten. Innerhalb von fünf Minuten war der schöne Vorsprung der Bietigheimer beim 17:16 bis auf einen Treffer geschmolzen. Das erste Tor der Gastgeber in der zweiten Halbzeit gelang Christoph Auer erst nach knapp sechs Minuten. Mit Jan Stochl stand beim Bergischen HC in der zweiten Hälfte ein Torhüter zwischen den Pfosten, der die Würfe der Bietigheimer abwehren konnte.

In der 47. Minute gingen die Gäste beim 23:22 erstmals in Führung. Die Bietigheimer blieben aber dran, wehrten sich gegen die dritte Niederlage in Folge. Als Sebastian Knierim beim Stande von 25:27 zweimal frei am Kreis an Stochl gescheitert war und zudem der in der ersten Halbzeit überragende Nico Kibat in der 58. Minute eine Zeitstrafe erhielt, war die Partie für den Bergischen HC gelaufen.

Das nächste Heimspiel absolviert die SG BBM am Freitag gegen Bittenfeld in der Arena Ludwigsburg. Der Vorverkauf deutet auf eine mit 4000 Zuschauern voll besetzte Halle hin.

Statistik

SG BBM Bietigheim: Lenz, Krotz; Haller (3), Knierim (3), Heuberger, Schäfer (2), Bühler (4), Blodig (2), Hinz (1), Freudl (1), Auer (3), Schulz (1), Kibat (7/5).

Bergischer HC: Huhnstock, Stochl; Fuchs (3), Hoße (1), Vitek (8/3), Hinze (2), Klev (6), Quade, Duin, Moeven Kleven (2), Kluge (4), Henkel (1), Aschenbroich, Reinarz (3). Schiedsrichter: Franz/Gentes ; Zuschauer: 950.

 

RP-Online

Lücken für Kenneth Klev

Nach einer von Fehlern geprägten ersten Halbzeit sah es nicht danach aus, dass der Bergische HC seine kleine Siegesserie in Bietigheim fortsetzen könnte. Nach einer deutlichen Kabinen-Ansprache und einigen Wechseln zeigten die Löwen auf dem Weg zum 30:27-Erfolg ein anderes Gesicht.

Stinksauer war Chrischa Hannawald nach Ende der ersten Halbzeit in Richtung Kabine gestiefelt. Die vielen "technischen und dämlichen Fehler" nahm der Interimscoach des Bergischen HC zum Anlass, vor dem spielenden Personal des Handball-Zweitligisten richtig laut zu werden. Im Angriff hatte kaum etwas funktioniert, aus der zweiten Reihe waren nur wenig gefährliche Impulse gekommen. Lediglich elf Treffer markiert, dafür gegen die SG Bietigheim 17 Gegentore (folglich häufig nach Tempogegenstößen) kassiert – diese Bilanz machte Chrischa Hannawald etwas Angst vor Durchgang zwei, weil "hier normalerweise mehr Treffer fallen".

Chrischa Hannawald beließ es nicht bei seiner lauten Ansprache, sondern schickte mit Wiederanpfiff auch noch ein auf vier Positionen verändertes Team zurück auf das Feld: Simon Kluge und Jens Reinarz lösten auf den Außenposition Tim Henkel und Christian Hoße ab, Sebastian Hinze übernahm von Henning Quade den Job am Kreis. Zudem stand Jan Stochl jetzt für den zuvor von seiner Vorderleuten oft im Stich gelassenen Mario Huhnstock zwischen den Pfosten. Die frischen Kräfte liefen die Abwehr der Schwaben von der ersten Sekunde an schwindelig, so dass diese plötzlich gar nicht mehr wussten, wie ihnen geschah. Jiri Vitek, Sebastian Hinze, Jens Reinarz, Kristoffer Moen und Simon Kluge warfen die Löwen mit fünf Treffern in Serie zurück ins schon verloren geglaubte Spiel (35. / 16:17).

"In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft gezeigt, wie es nahezu perfekt aussehen kann", schwärmte Manager Stefan Adam. "Die Unsicherheit war komplett verschwunden." Selbst einige umstrittene Schiedsrichter-Entscheidungen konnten die Löwen nicht aus ihrer Bahn werfen. Die Abwehr agierte nun viel beweglicher, hatte den richtigen Abstand zum Rückraum um den stets brandgefährlichen Spielmacher Nico Kibat. Und in der Offensive agierten die Bergischen unter der Regie von Mathias Fuchs so weit auseinander gezogen, dass sich nun Lücken auftaten. Mit seinen explosiven Antritten war es vor allem Kenneth Klev, der diese zu nutzen wusste. Nach seinem 19:20 (41.) war der Norweger von Christoph Auer und Christian Schäfer nicht mehr zu halten. Drei Treffer ließ er bis zum 22:22 (43.) folgen, ehe Mathias Fuchs gleich noch die erste BHC-Führung (23:22) nachlegte.

Von Verärgerung keine Spur mehr

Mit einer nahezu hundertprozentigen Chancenverwertung in der Schlussphase steuerten Simon Kluge (2), Jens Reinarz und Kenneth Klev den Tabellenvierten zum 30:27-Endstand und damit zum zweiten Auswärtserfolg in Folge. "Wir haben in Bietigheim beide Varianten erlebt", bilanzierte ein jetzt strahlender Chrischa Hannawald in ruhigem Ton. "Die erste Hälfte hat gezeigt, dass man für einen Sieg hart kämpfen muss. Die zweite, dass die Mannschaft nicht nur zu Hause überzeugend auftreten kann." Von Verärgerung keine Spur mehr.


Ludwigsburger Kreiszeitung

SG verschenkt das Spiel leichtfertig

Bietigheim-Bissingen – In einem Spiel mit zwei völlig verschiedenen Halbzeiten mussten sich die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim dem Bergischen HC mit 27:30 geschlagen geben. Bei Halbzeit hatte die SG noch mit 17:11 geführt.

Die knapp 1000 Zuschauer in der Halle am Viadukt trauten ihren Augen nicht. Die SG, angetrieben von dem wiedergenesenen Nico Kibat, zeigten in der ersten Halbzeit Handball vom „Feinsten“. SG-Trainer Uwe Rahn sah „unsere beste Halbzeit in dieser Saison“.
Die sehr aggressive SG-Deckung ließ den gefürchteten Rückraum der Gäste überhaupt nicht ins Spiel kommen. Viele Bälle wurden abgeblockt, im Angriff klappte zunächst fast alles. Gelungene Kreisanspiele, die von einem sehr starken Steffen Bühler verwertet wurden, folgten Traumtore von Außen durch Christian Schäfer und Sebastian Knierim. Nach 20 Minuten lagen die wie aufgezogen agierenden Gastgeber bereits mit 13:7 in Front.
Doch dann kam die Rahn-Truppe wie gelähmt aus der Kabine. Den Gästen gelang innerhalb von fünf Minuten der Anschlusstreffer zum 17:16. Die SG verlor jetzt völlig den Faden, musste mit ansehen, wie der BHC vor allem durch seine Rückraum-Asse Kenneth Klev und Jiri Vitek, das Spiel drehte. Nach der ersten Gästeführung (46.) konnte die SG nicht mehr dagegenhalten. Trainer Rahn: „Wir haben in fünf Minuten das Spiel hergeschenkt und sind dann nicht mehr ins Spiel gekommen“. Die routinierten Gäste zeigten jetzt ihre spielerische Klasse und kamen am Ende noch zu einem verdienten 30:27- Auswärtssieg.
SG BBM: Lenz, Krotz; Haller (3), Kibat (7/5), Knierim (3), Heuberger, Schäfer (2), Bühler (4), Blodig (2), Hinz (1), Freudl (1), Auer (3), Schulz (1).

Drucken