Die Schiedsrichter als Buhmänner

sgbbm_aue.jpgLudwigsburger Kreiszeitung

Treffer in letzter Sekunde erhitzt die Gemüter

In einem bis zum Schluss spannenden Spiel mussten sich die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim vor 1000 Zuschauern mit einem Unentschieden (33:33) gegen den EHV Aue begnügen. Besonders bitter für die SG: Der Ausgleichstreffer für Aue fiel in der allerletzten Sekunde.

„Wir haben den Glauben an die Gerechtigkeit der Schiedsrichter verloren“, kommentierte ein total frustrierter SG-Trainer Uwe Rahn nach dem Schlusspfiff. Was war geschehen? In der 58. Minute sahen sich die Gastgeber nach einem Treffer von Steffen Bühler zum 33:32 auf der Siegesstraße.

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Dieser Spielstand hatte 20 Sekunden vor Spielende noch immer Gültigkeit, als Trainer Rahn bei Ballbesitz SG eine Auszeit nahm. Ab diesem Zeitpunkt bestimmten die „Schiris“ den Spielverlauf. Bereits acht Sekunden nach dem erneuten Anpfiff zeigten sie Zeitspiel an, stoppten dann vier Sekunden vor Spielende den SG-Angriff wegen angeblicher „Schritte“ von Philipp Schulz. Aue reagierte blitzschnell, schnappte sich den Ball, ein Pass auf den überragenden Isländer Arnar Jon Agnarsson, der eiskalt mit dem Schlusspfiff zum 33:33 verwandelte.
Dabei übersahen die Schiedsrichter, dass der Freiwurf von Aue fünf Meter vom Tatort entfernt ausgeführt wurde.
Die Gäste tanzten vor Freude, die SG-Bank und ihre Zuschauer tobten vor Wut. Bietigheim musste zunächst auf den grippegeschwächten Spielmacher Nico Kibat verzichten. Aue war ständig in Führung, ehe Mathias Hinz in der 15. Minute seine Farben mit 10:9 in Führung schoss. Mann der ersten Halbzeit auf Seiten der SG war Sebastian Knierim, der von seinen insgesamt acht Toren alleine sechs in der ersten Spielhälfte erzielte.
Wie schon in den beiden letzten Spielen verschlief die SG den Start in die zweite Hälfte. Bereits eine Minute nach Wiederbeginn war der Zweitorevorsprung (19:17) aus der ersten Halbzeit aufgebraucht. Doch die SG fing sich wieder. Stark auf Bietigheimer Seite neben Torwart Mathias Lenz auch der nach langer Verletzungspause erstmals in einem Heimspiel eingesetzte Philipp Schulz.
SG BBM: Krotz, Lenz; Haller (6), Kibat (3/2), Knierim (8/6), Heuberger (1), Schäfer, Bühler (3), Blodig (1), Hinz (3), Löffler (1), Auer (3), Schulz (4).

 

Bietigheimer Zeitung

Die Schiedsrichter als Buhmänner
Handball-Zweitligist SG BBM Bietigheim kassiert gegen Aue Sekunden vor Schluss das 33:33
Die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim mussten sich nach einem dramatischen Spiel gegen den EHV Aue mit einem 33:33 (19:17) begnügen. Wütend waren die Gastgeber auf das Schiedsrichtergespann.

Uwe Rahn rang nach dem Duell um Fassung. "Ich bin schockiert. Ich bin fertig mit der Welt. So etwas Extremes habe ich noch nicht erlebt", sagte der Coach der SG BBM und nahm in scharfer Form die beiden Regelhüter Florian Gerhard und Tobias Küsters aufs Korn: "Was da passiert ist, raubt mir den Glauben an die Gerechtigkeit der Schiedsrichter."

Besonders die letzte Szene der Partie brachte ihn auf die Palme. 21 Sekunden waren noch zu spielen. Bietigheim führte mit 33:32 und hatte Ballbesitz. In einer Auszeit gab Rahn letzte Anweisungen, wie der Vorsprung über die Runden zu retten sei. Doch bereits wenige Sekunden nach Wiederanspiel zeigten die Regelhüter Zeitspiel an, was Philipp Schulz zu einem übereilten Wurf zwang. Dass er dabei wohl gefoult wurde, ignorierte das Gespann und entschied stattdessen auf Schrittfehler. Die Auer führten den Freiwurf rasch aus, allerdings deutlich entfernt vom "Tatort", und EHV-Star Arnar Jon Agnarsson ließ sich die Chance nicht entgehen und schloss den Tempogegenstoß zwei Sekunden vor dem Ende mit dem Ausgleich zum 33:33 ab. "Wir fühlen uns als Verlierer. Uns wurde gnadenlos ein Punkt geraubt", so Rahn.

In der ersten Halbzeit verhinderte vor allem der stark aufspielende Sebastian Knierim, dass die Auer nicht davonzogen. Bei dem Rechtsaußen klappte bis zur Pause fast alles. Sechs Siebenmeter verwandelte er mit traumhafter Sicherheit, dazu gelangen ihm zwei Feldtore. Mit acht Treffern war er am Ende bester Bietigheimer Torschütze, obwohl er in Durchgang zwei leer ausging.

Aus dem Spiel heraus und aus dem Rückraum gelang den Bietigheimern aber wenig, was sicher auch daran lag, dass Spielmacher Nico Kibat grippegeschwächt auf der Bank saß und Andreas Blodig ihn nicht eins zu eins ersetzen konnte. SG-Torjäger Robin Haller hatten die Sachsen gut im Griff, so wie auf der Gegenseite die Bietigheimer Defensive lange den Auer Rekordtorschützen Agnarsson ausschaltete. Der Isländer erzielte erst in der 18. Minute den ersten Treffer.

Nach acht Minuten lagen die Gäste aus dem Erzgebirge vor den 1200 Zuschauern in der Sporthalle am Viadukt mit 6:3 vorne. Doch Bietigheim blieb dran und glich aus. Keine Mannschaft konnte sich nun entscheidend absetzen. Beim Stand von 12:13 wechselte Rahn die Torhüter: Matthias Lenz löste den glücklosen Benjamin Krotz zwischen den Pfosten ab. Der fügte sich gleich mit einer tollen Parade ein, lieferte sich dann aber ein Scharmützel mit Aues japanischem Linksaußen Shinnosuke Uematsu - und bekam dafür eine Zeitstrafe aufgebrummt.

Dank Schulz Treffer zum 17:14 (26.) führten die Gastgeber erstmals mit drei Treffern. Der EHV ließ sich aber nicht abschütteln und verkürzte. Ein Distanzwurf von Schulz rettete Bietigheim in der letzten Sekunde des ersten Durchgangs eine 19:17-Pausenführung. Kurz zuvor hatte das Duo Gerhard und Küsters das erste Mal für Unmut auf der Bietigheimer Bank und den Rängen gesorgt: Nach einem Zusammenprall zwischen Haller und Alexander Matschos blieben beide Akteure auf dem Boden liegen. Der EHV durfte seinen Angriff abschließen, der Bietigheimer Tempogegenstoß wurde jedoch zum Ärger von Rahn unterbrochen. "Auch im zweiten Durchgang mussten wir einige dubiose Entscheidungen hinnehmen", sagte der SG-Coach und meinte damit zum Beispiel die Aktion in der 51. Minute, als der Auer Marcel Schäfer bei einem Heber von Knierim im eigenen Kreis klärte. Die Unparteiischen ahndeten das aber nicht. Dafür zeigten sie Rahn Gelb, weil dieser reklamiert hatte.

Beim 23:20 lag Bietigheim letztmals mit drei Treffern vorne. Fortan entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Duell. Ab dem 23:22 betrug der Vorsprung einer Mannschaft maximal ein Tor, die Führung wechselte munter hin und her. Speziell die Rückraum-Asse beider Teams, Haller und Agnarsson, setzten nun Akzente, und auch Kibat griff verstärkt ins Geschehen ein. Dann kam die heiße Schlussphase. 80 Sekunden vor dem Ende glückte Steffen Bühler das 33:32. Es folgten der bittere Ausgleich und der große Bietigheimer Schiedsrichter-Frust. "Das Ergebnis ist enttäuschend. Uns geht das Spiel momentan nicht leicht von der Hand, wir müssen uns alles hart erarbeiten", sagte Knierim, der zum SG-Spieler des Abends auserkoren wurde. Für den Rechtsaußen wohl ein schwacher Trost.

Statistik

SG BBM Bietigheim: Krotz, Lenz; Haller (6), Kibat (3/2), Knierim (8/6), Heuberger (1), Schäfer, Bühler (3), Bauer, Blodig (1), Hinz (3), Löffler (1), Auer (3), Schulz (4).

EHV Aue: Meinl, Skabeikis; Meinhardt (7/2), Roch (1), Marcel Schäfer, Rothenburger, Agnarsson (8), Berthold Vesely (1), Sillanpä (7), Uematsu (3), Wittig, Matschos (6).

Siebenmeter: 9/8 - 2/2; Zeitstrafen: 3 - 4; Schiedsrichter: Florian Gerhard (Ingelheim), Tobias Küsters (Mainz).

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