Handball-Zweitligist SG BBM Bietigheim verliert gegen EHV Aue mit 27:29

sgbbm_aue.jpgBietigheimer Zeitung

Rot für Heuberger kostet den Sieg
Handball-Zweitligist SG BBM Bietigheim verliert gegen EHV Aue mit 27:29

Die Rote Karte für Christian Heuberger in der 50. Minute nach drei Zeitstrafen kostete die SG BBM Bietigheim im vorletzten Saison-Heimspiel gegen Aue den Sieg. Am Ende gewannen die Gäste 29:27.
Die "Sachsen-Tage" in der Zweiten Handball-Bundesliga begannen für die SG BBM Bietigheim ziemlich unglücklich. Nach dem Heimspiel am Samstag gegen den EHV Aue muss die SG BBM am kommenden Mittwoch bei Concordia Delitzsch, einem weiteren Vertreter aus Sachsen in der Zweiten Liga Süd, antreten.

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Es waren Kleinigkeiten, die sich summierten und den personell arg geschwächten Bietigheimern vor den rund 1100 Zuschauern den Sieg kosteten, der nach einem fulminanten Zwischenspurt mit sechs Toren hintereinander zwischen der 31. und 37. Minute schon sicher schien. "Wenn alles super gelaufen wäre, hätten wir da den Sack zugemacht", verwies SG-Trainer Uwe Rahn hinterher auf einige Unebenheiten, an denen auch das Schiedsrichtergespann Dirk Eggert und Nils Suzka seinen Anteil hatte.

In der 50. Minute erhielt Christian Heuberger seine dritte Zeitstrafe, die den Ausschluss bedeutete. Da führten die Gastgeber mit 25:21. Beim Stande von 26:23 verwandelte Nico Kibat einen Siebenmeter, doch das Duo aus Dormagen ließ die Ausführung wiederholen. Prompt scheiterte Kibat an EHV-Torhüter Timo Meinl. "Es gab die eine oder andere Entscheidung, über die man streiten kann", gab sich Uwe Rahn in Bezug auf die Schiedsrichterleistungen moderat. Die Zuschauer hatten ihre Meinung zuvor drastischer ausgedrückt und gepfiffen, was Luft und Finger hergaben.

Die ohnehin vom Verletzungspech heimgesuchten Bietigheimern, bei denen die Stammkräfte Christian Löffler, Pierre Freudl, Philipp Amann, Julian Pflugfelder und Sven Scheerschmidt nicht dabei waren und die mit Aaron Blessing nach 24 Minuten einen weiteren Ausfall zu beklagen hatten (siehe Infokasten), konnten das Fehlen von Heuberger nicht mehr kompensieren. Bis zu der Roten Karte hatte Heuberger fünf Treffer erzielt, war eine Stütze des Mittelblocks und vorne am Kreis aktiv. "Das war die entscheidende Szene. Er war bis dahin die Säule der Abwehr", war auch für den überragend haltenden SG-Torhüter Matthias Gysin die Rote Karte der Knackpunkt.

Nach gutem Beginn und einer 2:0-Führung durch zwei Knaller von Patrick Rothe taten sich die Gastgeber schwer mit der sperrigen Auer Deckungsformation und dem flotten und effektiven Angriffsspiel der Gäste aus dem Erzgebirge. Nach einem 3:7-Rückstand griff Trainer Rahn zur grünen Karte und ordnete in der kurzen Besprechungszeit seine Mannschaft neu. Die holte bis zur Pause auf und lag nur noch mit 13:14 hinten.

Der Anpfiff zur zweiten Halbzeit war für die Gastgeber das Startsignal zur Aufholjagd, die recht schnell in einen Durchmarsch mündete. Innerhalb von sieben Minuten gelangen der SG sechs Tore zur 19:14-Führung. Da waren die Bietigheimer zu ihrem Erfolgsrezept zurückgekehrt und hatten ihr so gefürchtetes Tempospiel aufgezogen, hinten die Bälle erobert und vorne eiskalt abgeschlossen. Als schier unüberwindlich präsentierte sich in dieser Phase Matthias Gysin.

Der erst nach der Pause ins Spiel gekommene Auer Japaner Uematsu Shinnosuke handelte sich nach einer Attacke gegen Rothe die Rote Karte ein (44.). Da schien alles für die SG zu laufen. Mit solider Abwehrarbeit trug auch Rückkehrer Jörg Henning seinen Teil dazu bei. Mit vier Toren Vorsprung gingen die Bietigheimer in die letzten zehn Minuten. Die hatten es dann in sich. Zuerst flog Heuberger vom Platz, dann schaffte Aue in Unterzahl den Ausgleich (26:26) und beim 27:26 erstmals wieder die Führung seit der Pause. Auch die Rote Karte für Gerg Rothenburger, der in den Minuten zuvor mehrfach als Torschütze in Erscheinung getreten war, brachte die Gäste nicht mehr in Verlegenheit.

Die neu formierte SG BBM wurde am Ende nicht belohnt für ihren großen Einsatz. Die hohen Spielanteile vieler Akteure mangels Alternativen von der Bank - nach Blessings Ausfall und Heubergers Platzverweis hatte Trainer Rahn nur noch zwei Wechseloptionen - forderten ihren Tribut bei Kraft und Konzentration.

Statistik

SG BBM Bietigheim: Gysin, Lenz; Haller 3, Kibat 3/1, Knierim 1/1, Heuberger 5, Christian Schäfer 5, Bauer, Rothe 3, Hinz 6/2, Blessing 1, Henning.

EHV Aue: Skabeikis, Mienl; Marcel Schäfer, Meinhardt 6/2, Rothenburger 7, Urban 2, Kurzweg 1, Vesely 2, Shinnosuke, Wittig, Gutmanis 6, Matschos 4.

Schiedsrichter: Eggert/Szuka (Dormagen). Zuschauer: 1100.

Rote Karten: Heuberger (50./SG BBM/ 3x 2 Minuten), Shinnosuke (44./Foulspiel)), Rothenburger (58./Foulspiel/beide EHV). Zeitstrafen: SG 6 x 2 - EHV 6 x 2. Siebenmeter: SG 7/4 - EHV 2/2.


Der nächste Kniefall der SG BBM
 
 
Nach einem Schubser von Alexander Urban verdrehte sich der Bietigheimer Youngster Aaron Blessing, der zuvor einen Treffer erzielt hatte, in seinem zweiten Zweitligaspiel das Knie. Eine genaue Diagnose wird es erst Anfang der Woche geben. Trainer Uwe Rahn hoffte am Samstag, dass Blessing von einem Kreuzbandriss verschont geblieben ist: "Es ist wohl etwas am Innenband. Hoffentlich nichts Gravierendes." An schweren Knieverletzungen laborieren von der SG BBM Julian Pflugfelder, Sven Scheerschmidt (beide Kreuzband) und Pierre Freudl (Diagnose steht noch aus). "Er ist in der Lage, uns weiterzuhelfen und hätte uns heute viel Freude gemacht", haderte Uwe Rahn mit dem Ausfall von Aaron Blessing.


Ludwigsburger Kreiszeitung

Pfeifkonzert gegen Schiedsrichter

Bietigheim-Bissingen – Lange haben die Bietigheimer Handballer in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga Süd mitgemischt, jetzt gleitet ihnen durch unglaubliches Verletzungspech die gute Position aus den Händen. Das 27:29 (13:14) gegen den EHV Aue war die vierte Niederlage in den letzten fünf Partien.

Was machst du mit dem Knie, lieber Hans – in Anlehnung an den alten Schlagertext könnte Trainer Uwe Rahn im Mannschaftskreis in die Runde fragen. Julian Pflugfelder, Sven Scheerschmidt, Christian Löffler und zuletzt Neuzugang Pierre Freudl, sie alle sind wegen Knieverletzungen ausgefallen.
Aus der Reihe tanzt nur SG-Urgestein Philipp Amann. Er hat’s im Kreuz. Das Quintett und 900 weitere Zuschauer mussten am Samstag in der Halle am Viadukt ohnmächtig mitansehen, wie das verbliebene Häuflein Aufrechter vergeblich kämpfte wie die Löwen. Und wie sich der in den Zweitligakader aufgerückte A-Jugendliche Aaron Blessing schon in der ersten Halbzeit verletzte – am Knie.
„Das ist unheimlich schade, weil ich glaube, dass er uns in dieser Situation viel hätte helfen können“, bedauerte der Trainer den Ausfall eines weiteren Rückraumspielers. Die Verschnaufpausen für die SG-Akteure werden immer knapper, der Kräfte- und Konzentrationsverschleiß kostete gegen Aue den möglichen Heimsieg.
„Mit tun die Burschen leid, weil ich weiß, dass sie alles geben“, sagte Uwe Rahn, der in der entscheidenden Phase aber auch unverständliche Entscheidungen des Schiedsrichter-Duos Dirk Eggert/Nils Szuka (Dormagen) mitansehen musste. Nachdem die Blauen gegen die nicht minder motivierten Erzgebirgler in der ersten Halbzeit ständig einem Rückstand hinterhergelaufen waren (13:14), brachten sie sich bis zur 37. Minute durch sechs Treffer in Folge – Mathias Hinz (3), Robin Haller, Nico Kibat und Christian Schäfer – zum 19:14 in eine hervorragende Ausgangs-position. In dieser Phase verdiente sich Torwart Matthias Gysin seine spätere Auszeichnung zum Spieler des Tages.
Beim Stande von 25:21 (50.) kassierte jedoch Christian Heuberger die dritte Zeitstrafe, was seine Disqualifikation nach sich zog. Eine zweifelhafte Entscheidung des Schiedsrichter-Duos, nach der Heuberger (5 Tore), zusammen mit Schäfer (5) und Hinz (6) bester SG-Werfer, die Welt nicht mehr verstand.
Pfiffe ernteten die Schiris auch, als sie einen von Kibat verwandelten Siebenmeter wiederholen ließen und der SG-Spielmacher im zweiten Anlauf am Torwart scheiterte. So schafften Aues Scharfschützen Georg Rothenburger, Valdis Gutmanis (je 7) und Erich Meinhardt (5) in den letzten acht Minuten doch noch die Wende. Dabei kassierte die SG sogar zwei Treffer in Überzahl.
Für die auf Platz 8 abgerutschten Bietigheimer wird es nun ganz schwer. Schon am Mittwoch steht die 500-km-Reise zum 1. SV Concordia Delitzsch auf dem Programm, am 13. Mai das Wiederholungsspiel in Hüttenberg.
SG BBM: Gysin, Lenz; Haller (3), Kibat (3/1), Knierim (1/1), Heuberger (5), Schäfer (5), Bauer, Henning, Rothe (3), Hinz (6/2), Blessing (1).

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