Beziehungsgeflecht mit klarer Hierarchie

Ludwigsburger Kreiszeitung

Beziehungsgeflecht mit klarer Hierarchie

Ludwigsburg – Vier Tage Trainingslager in Sigmaringen hat die Mannschaft zusammengeschweißt, sagt Uwe Rahn. Der neue Trainer des Handball-Zweitbundesligisten SG BBM Bietigheim hat sich für die neue Saison einiges vorgenommen. Doch zu einem funktionierenden Team gehört auch eine intakte Hierarchie.

Herr Rahn, mit dem 34:33-Sieg gegen die deutsche Junioren-Nationalmannschaft kann der erste Test nach dem Trainingslager in Sigmaringen als gelungen bezeichnet werden. Welche Fortschritte haben Sie gesehen?
Uwe Rahn: In Sigmaringen ging es vor allem darum, ein Team zu formen, und dazu waren teambildende Maßnahmen notwendig. Wir haben viel und effektiv zusammengearbeitet, die Organisation war perfekt und es war alles so wie ich mir das vorgestellt habe. Gegen die Juniorenauswahl haben wir gesehen, dass dieses neue Beziehungsgeflecht schon ganz gut funktioniert.

Was hat Sie im Spiel gegen die DHB-Auswahl am meisten gefreut?
Nach etwas holprigem Beginn sind wir im Spielverlauf technisch besser geworden. Gefreut hat mich, dass unsere Vorstellung, nämlich schnell Handball zu spielen, bereits ansatzweise aufgegangen ist. Diese Philosophie des Tempohandballs bietet sich von der Struktur der Mannschaft her an. Unsere jungen Spieler brennen und drängen aufs Tempo, das wollen wir unseren Zuschauern auch von Saisonbeginn an bieten. Wenn wir schnell zum Abschluss kommen, wird es sicher häufiger passieren, dass wir mehr als 30 Tore kassieren, aber wir werden sicher auch ab und an 40 Tore schießen – doch das macht den Handball ja so attraktiv. Wir sind uns durchaus der Gefahr bewusst, dass unsere Spielweise auch mal in die Hose gehen kann.

Für Sie als Neuling in Bietigheim – wo sehen Sie die größten Probleme?
Wie bei allen Mannschaften sind die Hauptprobleme sicher im Abwehrbereich. Daran müssen wir intensiv und konzentriert arbeiten. Wenn wir in der Deckung sicher stehen, können wir auch besser nach vorne arbeiten und es fällt einfacher Tore zu erzielen. Dafür müssen die Offensivspieler aber ganz gezielt eingebunden werden und dürfen nach einem Angriff nicht ständig aus dem Spiele genommen werden. Nur wenn sie Defensivaufgaben übernehmen, können wir Tempogegenstöße starten und erfolgreich abschließen.

Theaterspielen und Orientierungswandern, das Trainingslager hat auch Einblicke in den Charakter der Spieler geboten. Welche Typen finden Sie vor?
Die Mannschaft passt charakterlich sehr gut zueinander. Der jugendliche Überschwang wird durch die Erfahrung der älteren Spieler ausgeglichen. Hier stehen unser Torwart Matthias Gysin, Christian Löffler, Kapitän Philipp Amann allerdings in der Pflicht, sie müssen den Youngsters eine deutliche Ansage geben, es muss eine klare Hierarchie untereinander geben.

Sie haben vier Neuzugänge, die gegen die deutsche Junioren-Nationalmannschaft einen guten Eindruck hinterlassen haben. Soll es noch mehr Verstärkungen geben?
Im Grunde war nur Nico Kibat eine unbekannte Größe, die anderen Neuzugänge und die bisherigen SG-Spieler kennen sich ja teilweise schon recht lange. Wir haben jetzt 14 Feldspieler. Wenn es keine schwerwiegenden Verletzungen wie Kreuzbandrisse gibt, habe ich absolut keinen Bedarf. Wir sind gut aufgestellt. Selbst bei Julian Pflugfelder bin ich optimistisch, dass er bald ins Team zurückkehrt.

Welche Ziele setzen Sie sich für die Saison?
Wir haben mit der Mannschaft intern ein Ziel formuliert, das nicht in die Öffentlichkeit soll. Grundsätzlich gilt, dass wir den negativen Punktestand mit Platz sieben aus dem Vorjahr in einen positiven wandeln wollen.

Wer sind für Sie die Meisterschaftsfavoriten?
Sicherlich ist Düsseldorf ein Top-Favorit, aber auch Friesenheim hat eine gute Truppe. Für uns hängt vieles vom Saisonstart ab, deshalb müssen wir bis zum 13. September noch sehr hart arbeiten.

Gespräch: Andreas Steimann


Zur Person
Der Gymnasiallehrer Uwe Rahn (48) war zuletzt Schulleiter eines Privatgymnasiums in St. Leon-Roth. Vier Jahre hat er die SG Leutershausen trainiert, davor war er beim Regionalligisten TV Hensbach tätig. Aktiv spielte Rahn beim VfL Heppenheim und beim TuS Griesheim in der 2. Bundesliga. Uwe Rahn ist Vater von sechs Kindern und lebt mit seiner Familie in Weinheim.

 

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