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Ludwigsburger Kreiszeitung

Meister aus Kiel zeigt seine Krallen

Die großen Erwartungen, die die SG BBM in dieses Spiel gegen das Weltklasse-Ensemble aus dem hohen Norden gesetzt hatten, wurden schon vor dem Anpfiff getrübt. Neben Hannes Link, der voraussichtlich noch mehrere Wochen ausfällt, und Paco Barthe, der mit dicker Armschiene am Spielfeldrand hockte, musten die Gastgeber auch auf Kreisläufer Patrick Rentschler (Fieber) verzichten. Für ihn rückte Nils Boschen ins Team.

Im Tor stand überraschend Mihalio Radovanovic. Dem Youngster flogen nach dem verworfenen Siebenmeter von Andre Lohrbach in den ersten Spielminuten die Bälle nur so um die Ohren. Aron Palmarsson, der bärenstarke Marko Vujin, Niclas Ekberg und Joan Canellas trafen nach Belieben zur schnellen 7:1-Führung der Gäste, ehe Jan Kulhanek den Part zwischen den Pfosten übernahm.

 

Allein drei gehaltene Siebenmeter von Kiels überragendem Torwart Johan Sjöstrand entnervten auf der anderen Seite die Bietigheimer, die auch körperlich den auf allen Positionen dominanten Kielern unterlegen waren. Beim Stand von 6:16 stand erstmals ein Zehn-Punkte-Rückstand, den Kiel bis zum Seitenwechsel (12:22) routiniert verwaltete.

Dass die von Tainer Hartmut Mayerhoffer unermüdlich nach vorn getriebenen Gastgeber im zweiten Spielabschnitt nicht an die Wand gespielt wurden, war der ungebrochenen Moral und Spielfreude der SG zu verdanken. Die Partie wurde härter und auch zerfahrener. Chris Schäfer verkürzte zwischenzeitlich auf 14:22, ehe Lohrbach nach einer Attacke gegen Christian Sprenger mit Rot bedacht wurde.

Doch selbst nach dieser Schwächung steckten Salzer und Co nicht auf, auch Kulhanek wurde nun ein sicherer Rückhalt seines Teams. Kiels Trainer Alfred Giaslon hatte allen Grund, seine Spieler hart ranzunehmen, als Marco Rentschler per Siebenmeter und einem anschließenden den Treffer von außen auf 23:32 verkürzte (52. Minute).

Bis zum Schluss hielt Bietigheim, angefeuert von 4329 Fans, engagiert dagegen. Positives Signal für Trainer Mayerhoffer nach diesem Handball-Lehrstück, das keine Lehrstunde wurde: Man hat den Großen etwas entgegenzusetzen. Trotz der qualitativen Welten, die zwischen dem Aufsteiger und dem Rekordmeister liegen, ließ sich sein Team nicht vorführen. Alle Spieler zogen mit und trafen auch. Am Sonntag gegen HBW Balingen-Weilstetten muss die große Moral zum Sieg eichen.

SG BBM: Kulhanek, Radovanovic; Haller (1), Schmid (2), Salzer (1), Dahlhaus (3), Schäfer (4), Blodig (1), Scholz (2), M. Rentschler (2/1), Boschen (1), Emrich (6), Lohrbach (2).

THW Kiel: Sjöstrand, Palicka; Duvnjak (4), Toft Hansen (2), Sprenger (2), Weinhold (1), Wiencek, Ekberg (4/1), Canellas (6/1) Dahmke, Palmarsson (1), Klein (6), Jicha, Vujin (6)

Bietigheimer Zeitung
THW Kiel ist eine Nummer zu groß

Das Erlebnis für die SG BBM Bietigheim in der Handball-Bundesliga gegen den THW Kiel endete mit einer 25:37-Niederlage für den Aufsteiger. Vor 4392 Zuschauern in der EgeTrans Arena boten die Bietigheimer der Weltauswahl in der zweiten Halbzeit ordentlich Paroli und ließen sich nicht abschießen.

Nach 60 Minuten stand das erwartete Ergebnis. Mit 37:25 (22:12) gewann der deutsche Serienmeister und Titelverteidiger THW Kiel in der Bundesliga beim Neuling SG BBM Bietigheim. Nach einer schwachen Anfangsphase der Gastgeber und einem deftigen 1:8-Rückstand nach zehn Minuten kamen die körperlich klar unterlegenen Bietigheimer besser ins Spiel, holten einige Male ein paar Tore auf und lieferten trotz eines immer klaren Rückstands in der zweiten Hälfte eine ordentliche Partie. Da durften sie sich mit gelungenen Aktionen durchaus Selbstvertrauen geholt haben für die richtungsweisende Partie an diesem Sonntag in Ludwigsburg gegen den HBW Balingen/Weilstetten.

Bei der SG BBM fiel neben den Verletzten Hannes Lindt, Paco Barthe und Christian Heuberger auch noch kurzfristig er erkrankte Patrick Rentschler aus. Kiels Meistertrainer Alfred Gislason schickte zu Beginn seine vermeintliche Bestbesetzung aufs Parkett, wobei auch die übrigen Spieler allesamt zu den Hochkarätern der Liga zählen. Nach dem tollen Empfang auch der Kieler Mannschaft durch die Zuschauer und bei unglaublicher Stimmung in der EgeTrans Arena legte der Gast ein Höllentempo vor und spielte meisterlich auf. Dirigiert vom Welthandballer des Jahres 2013, Domagoj Duvnjak und dem extrem wurfgewaltigen Marko Vujin zogen die Kieler ruck-zuck auf 8:1 davon. Julius Emrich hatte immerhin zum vielbejubelten 1:1-Ausgleich getroffen. Nach dem neunten Gegentreffer löste Jan Kulhanek seinen jungen Kollegen Mihailo Radovanovic im Bietigheimer Tor ab. Aber auch der Routinier bekam zunächst keinen Wurf zu fassen. Mit wahnsinniger Wucht und Geschwindigkeit schlug der Ball ein ums andere Mal im SG-Gehäuse ein. Neben Vujin tat sich hier aus der zweiten Reihe auch Joan Canellas Reixach hervor. Nationalspieler Dominik Klein legte von der Linksaußenposition nach und zauberte auch den Ball mal gekonnt ins Netz.

Nur als Statisten traten die Bietigheimer gegen die Kieler Wucht und Spielkunst allerdings nicht auf. Sie holten von 2:9 auf 4:9 auf und legten auch nach dem 8:18 zwei Tore in Folge nach. Vor allem Julius Emrich bekam für seine vier schönen Treffer gegen die sperrige und kompakte THW-Deckung viel Beifall.

Der Kieler Torhüter Johan Sjöstrand hatte auch seinen Anteil an der klaren 22:12-Führung seiner Mannschaft nach 30 Minuten. Er parierte neun Würfe, darunter drei Siebenmeter, zwei von André Lohrbach und einen von Christian Schäfer. Der Bietigheimer Rechtsaußen scheiterte auch in der zweiten Halbzeit nochmal mit einem Strafwurf am schwedischen Keeper. Dafür gelangen Schäfer vier Treffer aus dem Spiel heraus. Erst Marco Rentschler war mit dem fünften Siebenmeter erfolgreich.

Zwei hintereinander gleich nach Wiederanpfiff, als die SG-Abwehr den Ball erobert und Schäfer die Tempogegenstöße erfolgreich abgeschlossen hatte. Aus dem 12:22 war so ein 14:22 geworden. In der zerfahrenen zweiten Hälfte boten die Bietigheimer dem übermächtigen Gegner wesentlich mehr Widerstand. Torhüter Kulhanek parierte ein ums andere Mal, vorne gelangen Jonathan Scholz, Tim Dalhaus und Robin Haller tolle Treffer gegen Sjöstrand. Die Kieler, bei denen der am Fuß lädierte Vujin die zweite Halbzeit auf der Bank verbrachte, hielten trotz des hohen Einsatzes der Gastgeber den Vorsprung ziemlich konstant bei zehn Toren.

"Wir haben uns zu Beginn schwergetan und zu mut- und drucklos gespielt, so dass Kiel Tor um Tor wegziehen konnte. Wichtig war, dass wir in der zweiten Halbzeit nochmal alles gegeben haben und die Mannschaft den Kopf oben behalten hat", kommentierte Bietigheims Trainer Hartmut Mayerhoffer die Partie.