Pressebericht

Oßweils letzter Eintrag ins Zweitliga-Buch
Kein Happy End beim 27:27 gegen Absteiger Groß-Bieberau - Zürn: Wir wollten, konnten aber nicht mehr Ludwigsburg - (khu) Ein Happy End auf dem Spielfeld hätte wohl auch nicht gepasst: Als Christian Löffler mit dem letzten Wurf scheiterte, blieb für Handball-Zweitbundesligist TSG Oßweil nur ein 27:27 (14:13)-Unentschieden gegen den Tabellenletzten TSG Groß-Bieberau stehen. Es war der letzte Eintrag im Oßweiler Zweitliga-Buch, die Geschichte schreibt in der nächsten Saison die SG HBR Ludwigsburg weiter. Nach den Turbulenzen und Aufregungen der vergangenen Wochen ging es für die Blauen beim Saisonfinale noch einmal darum, sich mit einer ordentlichen Leistung von den Anhängern zu verabschieden. Kapitän Ingo Meckes und Co. hatten zwar zuletzt sieben Niederlagen in Folge kassiert, sich dabei aber nie hängen lassen und auch äußerst respektable Vorstellungen (wie beim 26:29 gegen Bundesliga-Aufsteiger Balingen-Weilstetten) geboten. Der letzte Kraftakt glückte am Samstagabend in der Rundsporthalle jedoch nur teilweise. „Wir wollten schon, aber es ging nicht mehr so recht", fasste TSG-Trainer Jochen Zürn die 60 Minuten zusammen. Groß-Bieberau, abgeschlagen am Tabellenende und schon seit längerem als Absteiger feststehend, zeigte sich trotz aller Schwächen noch einmal sehr ehrgeizig und kämpfte hartnäckig um den zweiten Auswärtssieg der Saison.
Oßweil fehlte die Konzentration und letzte Anspannung, um sich abzusetzen. Mehr als zwei Tore konnte man nie vorlegen. Immer wieder brachten  „Fahrkarten" und Abspielfehler die Gäste zurück ins Spiel. Dennoch steuerten die Schwaben ihrem 20. Saisonsieg entgegen, als Spielmacher Sandro Catak in der 58. Minute zum 27:25 traf. Kurz zuvor  musste der angeschlagene Thomas Schweizer doch noch zwischen die Pfosten, da sich Matthias Gysin eine Zwei-Minuten-Strafe eingehandelt hatte.
Doch Groß-Bieberau erwies sich als Spielverderber, glich zehn Sekunden vor Schluss durch
Christian Scholz zum 27:27 aus und Löfflers letzter Wurf fand sein Ziel nicht mehr. TSG: Gysin, Schweizer; Catak (3), Burkhart, Huth (7/2), Becker (3), Pfahl (6), Meckes (1), Löffler (3), Knierim (3), Krause (1).
Abschied und Abflug Die Mannschaft fällt auseinander, doch noch einmal war der starke Zusammenhalt spürbar. Der Schlussakt nach dem letzten Saisonspiel gegen die TSG Groß-Bieberau fiel emotional aus und ließ Wehmut bei Spielern, Trainer, Fans und Helfern der TSG Oßweil aufkommen. Jochen Zürn nahm nach den letzten 60 Zweitliga-Minuten der Blauen das Mikrofon in die Hand: „Das ist aus sportlicher Sicht mein bislang heftigster Moment", begann Oßweils Coach sichtlich bewegt seine Abschieds- und Dankesrede. „Für mich waren es hier vier wunderschöne Jahre."
Zürn erinnerte noch einmal besonders an die Verdienste des langjährigen Trainers und Spielers Oliver Hess („der Mister Handball in Ludwigsburg") sowie des Mannschaftsbetreuers Wolfgang Slgloch („Herz und Seele der TSG Oßweil"). Die TSG-Spieler, die nach Spielende ein letztes Mal den lang anhaltenden Applaus des Publikums genießen durften, folgten dann Arm in Arm den Szenen auf der Videoleinwand, die Betreuer Marco Wolf zusammengestellt hatte. Eine Reise in die Oßweiler Handball-Geschichte.
Kapitän Ingo Meckes, seit 2000 bei den Blauen und damit dienstältester Spieler, hatte noch einmal betont, dass die Mannschaft die Saison trotz „seit Monaten ausbleibender Gehaltszahlungen" sportlich zu Ende bringen wollte und deshalb auch die Kosten für die Anreisen zu den letzten Auswärtsspielen zum Teil selbst beigesteuert hatte. In die neue Spielgenneinschaft mit dem TV Kornwestheim, der SG HBR Ludwigsburg, wird die TSG Oßweil wohl kaum etwas einbringen. Bislang scheint nur Rechtsaußen Sebastian Knierim in Verhandlungen mit der SG zu stehen. Schon vor einigen Wochen perfekt gemacht wurde der Wechsel von Meckes und Adrian Pfahl zu Bayer Dormagen, das in der Relegation noch auf den Bundesliga-Aufstieg hofft. Christian Löffler und Matthias Gysin freuten sich am Samstagabend über den Klassenerhalt ihres künftigen Vereins SG Bietigheim-Metterzimmern, der verletzte Mike Wolz ist sich mit Regionalligist TSV Deizisau einig. Die Karriere beenden wird Marco Huth, das könnte auch bei Torhüter Thomas Schweizer der Fall sein. Noch offen ist die sportliche Zukunft von Sandro Catak, Markus Becker, Ralf Abend und Ralf Burkhart, die nach Auskunft von Jochen Zürn mit verschiedenen Klubs in Verhandlungen stehen. Zürn selbst wird auch künftig in der 2. Liga auftauchen. „Es gibt positive Signale", bestätigte er Gespräche mit einem Zweitligisten. Ein paar Tage wird man jetzt vom Handball abschalten. Denn gestern früh um 6 Uhr starteten die Oßweiler in Stuttgart mit dem Flieger zum Mannschaftsausflug Richtung Mallorca. Auf der Ferieninsel, daran ließ Ingo Meckes keinen Zweifel, „werden wir die Sau rauslassen."