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Ludwigsburger Kreiszeitung Ära Hess geht in Hüttenberg zu Ende
Für Oßweils Trainer ist „Schmerzgrenze überschritten" - „Co" Zürn übernimmt bis Saisonende Ludwigsburg - (str.) Die Begegnung heute beim TV Hüttenberg ist für Handball-Zweitbundesligist TSG Oßweil kein Spiel wie jedes andere. Bei der Mannschaft, gegen die Oßweil am Ende der Saison 1971/72 um den Aufstieg in die Bundesliga kämpfte (und unterlag), geht die Ära von TSG-Trainer Oliver Hess zu Ende. „Die Schmerzgrenze ist überschritten", sagte Hess. Der in diesem Jahr ins „Schwabenalter" kommende Hess hatte 1997 als 31-jähriger „Frischling" die Mannschaft nach dem Abstieg aus der 2. Bundes- in die Regionalliga übernommen und auf Anhieb die Relegation um den Wiederaufstieg erreicht, in der er dann allerdings an Delitzsch scheiterte.
Seitdem war der frühere TSG-Kreisläufer, der wegen einer schweren Schulterverletzung vorzeitig seine aktive Laufbahn beenden musste, als Trainer der ersten Mannschaft im Amt.
Die größten Erfolge waren nach dem bereits erwähnten Staffelsieg in der Regionalliga Süd die Rückkehr in die 2. Bundesliga 2002 und dort die Vizemeisterschaft in der Saison 2003/04. In der Bundesliga-Relegation scheiterte man damals am Nord-Zwei-ten Post Schwerin. Nach (zu) holprigen Beginn sah es auch diese Runde so aus, als könnten die Blauen erneut die Relegation erreichen, doch nach den zwei jüngsten Niederlagen musste man die entsprechenden Hoffnungen endgültig begraben. Parallel zur sportlichen Aufholjagd gab es (letztlich gescheiterte) Verhandlungen über eine Spielgemeinschaft mit dem Lokalrivalen TV Kornwestheim, in deren Folge eine kaum noch nachvollziehbare Hexenjagd gegen Hess
(und seinen Vater) eröffnet wurde. Oliver Hess, seit Kindesbeinen bei der TSG, schlauchte diese Entwicklung auch gesundheitlich und so zog er nun daraus die Konsequenzen.
„Ich habe Angst, dass ich umkippe, dass mein Vater umkippt und dass meine Beziehung zu meiner Freundin Nicole kaputt geht, wenn ich nicht die Reißleine ziehe", meinte er und gab noch ein Bekenntnis zum Verein ab: „Ich liebe diese TSG Oßweil." Der Mannschaft teilte Hess seinen Entschluss am Donnerstagabend mit. „Die Spieler waren geschockt, schilderte Co-Trainer Jochen Zürn (er wird - „wenn die Mannschaft das auch will" - bis zum Saisonende nun die Verantwortung übernehmen) die „emotionsgeladene" Situation vom Donnerstag.
Zu den Vorkommnissen, die schlussendlich dazu geführt haben, dass Hess nun endgültig das Handtuch warf, sagte er nur: „Mit Respekt vor einem Menschen hat das nichts mehr zu tun."
Unter diesen Umständen war natürlich an eine „normale" Vorbereitung auf das Spiel in Hüttenberg nicht zu denken. Das aber wird so oder so nicht leicht. Man darf gespannt sein, welches „Abschiedsgeschenk" die TSG-Akteure Oliver Hess machen.